Bild: Buffalo, Western Digital, DR
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Netzwerkfestplatten sind eine feine Sache: Am Computer verhalten sie sich wie eingebaute Festplatten oder USB-Datenträger, doch sie speichern Medieninhalte und andere Daten unabhängig vom Rechner im Netzwerk. So können mehrere Benutzer gemeinsam die Daten im so genannten „Network Attached Storage” – kurz: NAS – nutzen. Die meisten NAS haben einen Medienserver integriert, der Musik, Fotos und Videos aus dem eigenen Speicher via Netzwerk zum Abruf über Streaming-Clients wie die Playstation 3 und viele Smart-TVs, AV-Receiver oder Blu-ray-Player bereitstellt.
Die neuen Cloud-Festplatten gehen noch einen Schritt weiter: Sie stellen ihre Inhalte nicht nur innerhalb des lokalen Netzwerkes zur Verfügung, man kann sie auch überall auf der Welt via Internet erreichen. Das Ganze wirkt für den Benutzer ähnlich wie echte Cloud-Speicherdienste à la Dropbox, Teamdrive oder Live Mesh (siehe Test-Video in den Zusatz-Infos unten). Unterschied: Während Daten bei Dropbox & Co. auf dem Server des jeweiligen Anbieters lagern, werden sie mit den Cloud-Festplatten zu Hause gespeichert. Den Zugriff auf die Daten übers Internet regelt ein Onlineservice. Bei dem wird die Festplatte angemeldet, er stellt den Kontakt zum NAS auch dann sicher, wenn sich etwa die IP-Adresse des DSL-Anschlusses ändert – was bei privaten Internetanschlüssen einen ständigen Datenzugriff von außen ansonsten verhindert.
Zwei solche Cloud-Festplattensysteme für Privatanwender wurden in den letzten Monaten vorgestellt: Cloudstation vom Buffalo Technology und WD Live von Western Digital. Buffalo Technology ergänzte für die Cloudstation die Funktionen der bereits länger verfügbaren Linkstation-Festplatten um einen Zugriff auf den Onlinedienst „Pogoplug”. Der baut die oben erwähnte Brücke von lokalen Speichern für den Zugriff übers Internet – auch unabhängig von Buffalo-Festplatten. Pogoplug ermöglicht es auch, über das Internet auf die Inhalte der PC-Festplatte zu Hause zuzugreifen. In den Cloudstation-Modellen von Buffalo ist ein Zugang zum Pogoplug-Dienst einprogrammiert, die Geräte sind per Seriennummer-Registrierung ab Werk bei dem Dienst angemeldet. Nach der Installation der Cloudstation muss man am Computer nur die Internetadresse „cloudstation.pogoplug.com” aufrufen und sich bei Pogoplug anmelden. Der Dienst findet die Festplatte dann selbst im Heimnetzwerk und richtet den Zugang ein. Die Daten auf dem NAS sind nun über den persönlichen Pogoplug-Login via Webbrowser auf jedem Computer weltweit erreichbar.
Der Zugang eignet sich für den Austausch aller möglichen Datentypen, per Mauklick lassen sich Inhalte auch für Freunde freigeben, indem man per E-Mail einen Downloadlonk zu einer bestimtmen Datei verschickt. Besonders komfortabel ist der Umgang mit Medieninhalten: Pogoplug bietet einen eigenen Player für die Musikwiedergabe, einen Foto-Betrachter mit Diaschau-Funktion sowie einen Videoplayer, der gängige Videoformate auch übers Internet auf den Bildschirm holt und abspielt. Medieninhalte lassen sich auf dem iPhone, iPad und auf Geräten mit Blackberry- oder Android-Betriebssystem abrufen. Pogoplug bietet für diese Mobilgeräte passende Apps an. Damit der Abuf hochauflösender Fotos und Videos wegen der langsamem Upload-Geschiwndigkeit am DSL-Anschluss nicht zu lange dauert, rechnet die Netzwerkfestplatte zu Hause diese Daten auf Wunsch in ein datensparendes Format mit geringerer Auflösung um.
Bei Western Digital heißt der NAS-Fernzugriff „Personal Cloud” und ist auf den „MyBook-Live”-Netzwerkfestplatten verfügbar. Seit September 2011 gibt es für neue und vorhande Geräte eine Firmware, die den Onlinezugriff über den Western-Digital-Dienst „WD2Go” ermöglicht. Das Kürzel bedeutet übersetzt in etwa „Western Digital zum mitnehmen“. WD2Go ist ebenfalls ein Onlinedienst, der den Zugriff auf die Netzwerkfestplatten mit verschiedenen Geräten wie Computern, Smartphones und Tablets via Internet regelt. Die WD2Go-App ist als kostenlose Basisversion und als „WD2Go Pro” für 2,39 Euro im Apple-Store beziehungsweise für 2,15 Euro im Android-Market zu haben. Mit der Pro-Version kann man laut Western Digital Inhalte von der eigenen Netzwerkfestplatte unterwegs auch mit anderen Nutzern teilen. Mit dem Western-Digital-System ist es möglich, ausgewählte Daten außer am NAS zu Hause auch auf mobilen Geräten zu sichern und die jeweils neueste Version mit diesen zu synchronisieren.
Die Western-Digital-Festplatten vom Typ MyBook Live sind mit einem, zwei oder drei Terabyte Speicher für Listenpreise von 119, 139 und 179 Euro zu haben. Buffalo bietet mehrere Cloudstation-Typen an: als einfache Festplatte mit einem oder zwei Terabyte (um 200/230 Euro) oder als Cloudstation Duo mit je zwei Festplatten à einem oder zwei Terabyte. Die Cloudstation Duo ist außerdem in einer Pro-Version mit 256 statt 64 Megabyte Arbeitsspeicher und einem schnelleren Prozessor zu haben. Die Cloudstation-Duo-Modelle wechseln je nach Kapazität, Leistung und Händler derzeit für 280 bis 450 Euro den Besitzer. Sie lassen sich wahlweise mit je zwei Laufwerken betreiben oder als RAID-System mit doppelter Daten-Speicherung, aber nur der Kapazität einer Festplatte.
DIGITAL-ROOM meint: Die „Personal Cloud” bringt im Alltag einige praktische Vorteile. So kann man alle Fotos vom Datensilo zu Hause spontan aufs Smartphone holen, wenn beim Geschäftsessen im Lokal „Mein Haus, mein Auto, meine Frau, meine Kinder” ansteht. Man kann aber auch den Speicher des Smartphones schonen und unterwegs Musik von der heimischen Festplatte hören. Die Hersteller bewerben ihre Cloud-Laufwerke bisweilen mit mehr Sicherheit als sie ein Internet-Speicher bieten kann. Stimmt einerseits: Persönliche Daten lagern so zu Hause und nicht auf anonymen Servern irgendwo auf der Welt. Andererseits ist auch die Cloud-Festplatte nur so sicher wie der Zugang zum jeweiligen Onlinedienst. Werden Pogoplug oder WD2Go gehackt, kann das eigene NAS offen stehen wie ein Scheunentor. Dann bleibt nur, es selbst abzuschalten.
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