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(4) 29.03.2012

Kindle Touch: Ab Ende April in Deutschland

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Der E-Book-Reader von Amazon kommt mit Touchscreen nach Deutschland – ab 27. April ist der Kindle Touch als WLAN- und 3G-Modell zu haben.Der Kindle Touch ist mit Zubehör zu haben - etwa mit einem LED-Leselicht.Bild: Amazon

Noch knapp einen Monat müssen E-Book-Fans warten, dann dürfen sie auch bei Amazon in Deutschland per Fingertippen umblättern. Denn ab 27. April will der große Onlinebuchhändler neben den vorhandenen beiden Readern Kindle (99 Euro) und Kindle Keyboard (159 Euro, mit englischem Menü) auch zwei Modelle mit berührungssensitivem Touchscreen und deutscher Benutzerführung anbieten: Den Kindle Touch für 129 Euro und den Kindle Touch 3G für 169 Euro. Die beiden Geräte sind in den USA bereits seit längerer Zeit zu haben, allerdings nur mit englischsprachigem Menü. Sie sehen optisch identisch aus. Kein Wunder – neben einem Einschaltknopf, einer USB- und Kopfhörerbuchse und der Home-Menü-Taste unter dem Bildschirm gibt es keine weiteren Anschlüsse oder Knöpfe. Alle weiteren Eingaben erfolgen per Fingerdruck auf dem Bildschirm. Umblättern soll per Fingertippen klappen, für Texteingaben blendet der Reader eine Tastatur ein und die Titelauswahl beim E-Book-Shopping erfolgt, indem man das Cover oder den Titel des Wunsch-Buches antippt.

Einkäufe im Kindle-Store kann man, ebenso wie beim herkömmlichen Kindle, auf dem Reader selbst erledigen, sofern der eine Verbindung ins Internet hat. Beim Kindle Touch ist dafür ein WLAN-Zugang erforderlich, der Kindle 3G wählt sich laut Amazon in weltweit 100 Ländern über das mobile Datennetz in den Amazon-Store ein. Die Verbindungskosten für die Shoppingtour bei Amazon trägt der Online-Buchhändler, auch wenn man gar nichts einkauft. E-Books lassen sich natürlich auch an jedem Computer kaufen. Auf den Kindle gelangen sie dann per Whispersynch-Übertragung aus der Amazon Cloud. Alle E-Books, die man jemals bei Amazon gekauft hat, werden in diesem Onlineverzeichnis gespeichert. Selbst wenn der Reader verloren geht, bleiben die Einkäufe so erhalten. Neben Kindle-Readern lassen sich diese elektronischen Bücher auch über die Kindle-Apps auf iPad, iPhone und Android-Geräten sowie am Computer lesen, nicht aber auf eBook-Readern anderer Anbieter als Amazon.

Technisch ähneln die Touch-Screen-Kindles dem einfacher ausgestatteten Basis-Reader (siehe Video-Test unter Zusatz-Infos unten). Der Bildschirm hat die gleiche Diagonale von 15 Zentimetern (6 Zoll) und eine Auflösung von 800x600 Bildpunkten. Die Darstellung erfolgt wie bei den anderen Kindle-Modellen über elektronische Tinte, die so genannte E-Ink (siehe 100-Sekunden-Video unten). Gegenüber herkömmlichen Readern neigen Touchscreen-Reader allerdings zu einem etwas geringeren Kontrast, da die Berührungssteuerung eine zusätzliche Folie vor dem Display erfordert. Die verringert bei Geräten wie etwa dem Oyo von Thalia den Kontrasteindruck durchaus wahrnehmbar. Ob dieser Effekt auch beim deutschen Kindle Touch auftritt, muss sich aber erst zeigen.

Sicher ist, dass die Touchscreen-Modelle schwerer sind: Das WLAN-Modell wiegt laut Amazon 213 Gramm, der Kindle Touch 3G 220 Gramm. Das Basismodell bringt dagegen nur federleichte 170 Gramm auf die Waage. Dafür können die Neulinge auch mehr Bücher speichern: Amazon gibt ihre Kapazität mit 4 Gigabyte für zirka 3000 E-Books an, während der Basis-Kindle "nur" 1400 Bücher auf 2 GB speichert. Interessant für den Praxiseinsatz dürfte aber weniger der Speicherplatz für Bücher sein als die Tatsache, dass die Touch-Modelle mit ihrem größeren Speicher neben E-Books auch MP3-Musik und Hörbücher speichern und wiedergeben können. Das bietet der Standard-Kindle für 99 Euro nicht.

Der ist dennoch erfolgreich: Seit Monaten ist der Kindle das meistverkaufte Gerät bei Amazon.de, die E-Book-Verkäufe schnellen nach Firmenangaben in die Höhe: In den drei Monaten seit Weihnachten seien über Amazon.de ebenso viele E-Books verkauft worden wie in den neun Monaten zuvor – also seit Eröffnung des deutschen Kindle-Stores. Auch das Angebot wächst stetig: Amazon gibt an, dass derzeit 85 der 100 Titel der Spiegel-Bestseller-Liste als E-Books im Kindle-Store zu haben sind. DIGITAL-ROOM fand beim Test des Kindle im Dezember 2011 sogar 24 Titel der damaligen Top-25-Spiegel-Bestsellerliste Belletristik. Über genaue Verkaufszahlen sowie das Verhältnis zwischen E-Books und gedruckten Büchern macht das Unternehmen aber keine Angaben. In den USA gehören E-Books längst zum Alltag. Die Bestsellerliste der Zeitung "USA Today" etwa gibt zu jedem gelisteten Titel mit dem Buchstaben "E", "H" oder "P" an, ob es seinen höchste Verkaufszahl als E-Book, Hardcover (gebundene Ausgabe) oder Paperback (Taschenbuch) erreicht. In der aktuellen Liste sind 15 der Top-50-Titel überwiegend als elektronische Ausgabe verkauft worden, kurz nach Weihnachten waren es sogar 42 der 50 meistverkauften Titel.

DIGITAL-ROOM meint: So langsam erreicht die E-Book-Welle auch Deutschland, und Amazon hat großen Anteil daran – der Kindle-Store wurde ja vor etwa einem Jahr eröffnet. Für den Massenmarkt ist natürlich eine breite Auswahl gefragt, an Buchtiteln ebenso wie an einfach bedienbaren Geräten. Die beiden Touch-Reader, vor allem aber das 3G-Modell mit seinem kostenlosen mobilen Amazon-Zugang kommen da gerade recht. Die Touch-Kindles sind besser ausgestattet als das 99-Euro-Modell – die Audio-Funktion etwa dürfte Hörbuchfans locken. 30 Euro Aufpreis für das WLAN-Modell sind so ähnlich gut angelegt wie die 169 Euro für den Kindle Touch 3G – für Leseratten, die viel unterwegs sind. Man sollte sich nur bewusst sein, dass man sich mit dem Kauf eines Kindle auf das E-Book-System von Amazon festlegt. Vorteil: Es ist von vorn bis hinten durchdacht und funktioniert in der Regel intuitiv. Dafür verzichtet man auf Einkäufe bei der Konkurrenz – angesichts der Buchpreisbindung ist das aber für Buchkäufer ein eher vernachlässigbares Argument. Amazon und unzählige Leser fahren damit in den USA glänzend – ähnlich wie Apple und Millionen iPhone- und iPad-Nutzer.

Autor: 
Reinhard Otter
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