Bild: Google/Samsung
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Die Marktführerschaft hat Google bereits: Laut jüngsten Statistiken ist Android auf mehr als 52 Prozent aller ausgelieferten Smartphones zu finden. Nun soll das Handy-Betriebssystem auch technisch neue Maßstäbe setzen und das iPhone von Apple endgültig hinter sich lassen. Eine überarbeitete Software liefert das Rüstzeug dazu. Sie heißt Android 4.0 und ist bereits die siebte Betriebssystem-Version in knapp drei Jahren. Android 4, im Konditoren-Englisch der Entwickler „Ice Cream Sandwich” genannt, führt zwei Produktlinien zusammen: Die Betriebssysteme für Mobiltelefone, zu denen „Frozen Yogurt” (Android 2.2) und das aktuelle „Gingerbread” (2.3) gehören, sowie die neue Tablet-Linie „Honeycomb” (Android 3.1 + 3.2), die speziell für Bildschirm-Computer programmiert wurde.
Eine gemeinsame Software für große und kleine Geräte, wie sie mit iOS für iPhone und iPad schon gibt, könnte den Geburtsfehler der Android-Plattform beseitigen: Es sind zu viele Software-Versionen auf dem Markt. Manche Smartphones wie das LG Optimus One oder das Motorola Defy laufen immer noch mit Android 2.2 (FroYo), der größere Teil nutzt 2.3. Tablets gibt es mit Android 2.2 (zum Beispiel Samsung Galaxy Tab), mit Version 2.3 (Galaxy Note) oder 3.2 (Galaxy Tab 10.1N). Dabei unterscheiden sich Bildschirmauflösung und Prozessorleistung von Gerät zu Gerät, ja oft sogar innerhalb der Produktfamilien eines Anbieters. Hinzu kommt, dass die Hersteller es nicht bei der Android-Installation belassen. Um dem Smartphone einen individuellen Look zu geben, um Apps der Netzbetreiber nach vorne zu stellen – oder schlicht im Versuch, die Bedienung zu verbessern – stülpen sie dem Google-Betriebssystem ihr eigenes Bildschirmmenü über. HTC nennt die Touchscreen-Oberfläche „Sense” bei Samsung heißt sie „Touchwiz”, LG verzichtet auf einen eigenen Namen.
Ergebnis von soviel Eigenbrötelei sind hohe Hürden für App-Entwickler. Wer ein Programm auf vielen verschiedenen Geräten gut aussehen lassen möchte, muss eine Menge Anpassungsarbeit leisten. Die Aktualisierung von einer Android-Version auf die nächste wird ebenso erschwert, wenn nicht vereitelt. So ist zum Beispiel noch unklar, ob das Samsung Galaxy S, mit über 20 Millionen verkauften Geräten eines der erfolgreichsten Smartphones überhaupt, ein Update von 2.3 auf 4.0 erfahren wird. Bislang gibt es nur ein Gerät, das mit dem neuen Google-Betriebssystem aufwarten kann: das Samsung Galaxy Nexus.
Es zeigt jedoch bereits, dass die Entwickler ganze Arbeit geleistet haben. In ersten Tests schneidet das Galaxy Nexus überwiegend positiv ab, was vor allem am Betriebssystem zu liegen scheint. „Android 4 ist eine Wucht” meint Michael Spehr von der FAZ, wenn auch das Gerät selbst etwas unhandlich sei. Das Online-Magazin Gamestar sieht das neue Betriebssystem „auf Augenhöhe” mit iOS. Computerbild findet, „Oberfläche und Menüs wirken deutlich aufgeräumter und einheitlicher” als bisher. Android 4.0 sei schick, funktional und vereinheitliche die Benutzeroberfläche „zu einem überzeugenden Nutzererlebnis”. Kritik wird eher an der Hardware laut, zum Beispiel an der Bildqualität der Kamera im Galaxy Nexus oder am wenig hochwertigen Plastik-Gehäuse. Doch diese Schwächen könnten 2012 schnell verschwinden – wenn andere Hersteller beginnen, Smartphones und Tablets mit Android 4.0 auszuliefern.
DIGITAL-ROOM meint: Das Eiskrem-Sandwich von Google wird vielen Kunden schmecken. Weil die neue Oberfläche so konsequent auf Fingerbedienung getrimmt ist wie kein Android zuvor, dürften sich Oberflächen à la HTC Sense oder Samsung Touchwiz irgendwann erübrigen. Das treibt die Vereinheitlichung der Bedienung weiter voran und macht Apple das Leben schwerer. Derzeit punktet das iPhone 4S noch mit seiner Kombination aus hochwertiger Verarbeitung, übersichtlichen Menüs und verblüffend intelligenter Sprachsteuerung („Siri”). Doch der Abstand wird mit jeder neuen Android-Version geringer.
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