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(2) 27.03.2011

Apple-Pläne: Eigener TV oder Airplay Video?

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Die Gerüchteküche um die Video- und TV-Strategie von Apple brodelt: Wie kommen iTunes-Videos und Apps künftig auf den TV-Bildschirm?Noch lassen sich Videos aus iTunes oder vom iPad nicht direkt an Netzwerkfähige TV-Geräte schicken. Das könnte sich aber bald ändern.Bild: DR

In Sachen Musik für unterwegs und zu Hause ist Apple Spitze: Die erfolgreichen iPods, das iPhone oder iTunes am Computer setzen schon seit Jahren Maßstäbe für die Art und Weise, wie wir Musik hören. Und die Integration dieser Gerätschaften in die HiFi-Anlage – egal ob per Dockanschluss oder neuerdings mit der Airplay-Netzwerkübertragung – machen die Infrastruktur des Herstellers konkurrenzlos.

Im Bereich der Videoverteilung hat Apple aber ein Problem: Der einzige bequeme Weg für Filme aus dem Computer oder vom iPad auf den TV-Schirm ist bis dato die spezielle Set-Top-Box AppleTV. Und die ist, warum auch immer, alles andere als ein Erfolgsprodukt. Doch ohne AppleTV gibt es keine iTunes-Filme auf dem TV-Schirm. Und ohne die Integration des TVs machen Spielfilme und TV-Serien, wie Apple sie in großer Auswahl im iTunes-Store anbietet, nur halb so viel Spass.

Das macht sich auch im Erfolg der iTunes-Videothek bemerkbar: Offizielle Zahlen zu den Marktanteilen der unterschiedlichen Online-Dienste gibt es zwar nicht, doch aus der Filmbranche ist zu hören, dass in Sachen Video-on-Demand in Deutschland nicht Apple, sondern Maxdome die Nase vorn hat. Möglicher Grund dafür: Maxdome hat ein fast ebenso großes Filmangebot wie iTunes, die Filme lassen sich aber neben dem Computer auch über immer mehr hybride TV-Geräte und Set-Top-Boxen im Wohnzimmer abrufen. TV-Geräte von Samsung und LG sowie Sat-Receiver von Humax und Technisat etwa können das. Und alle TVs und Set-Top-Boxen, die den interaktiven TV-Onlinestandard HbbTV unterstützen – Pro7 und Sat1 haben die Online-Videothek nämlich in ihre HbbTV-Angebote integriert. Die Stoßrichtung ist klar: Video-on-Demand wird zum selbstverständlichen Menüpunkt jedes vernetzten Fernsehers. Wer dort vertreten ist, der macht am ehesten das Geschäft.

Also nicht Apple – zumindest bislang. Doch offenbar ist man in Cupertino dabei, die Weichen für eine bessere TV-Integration zu stellen. In der vergangenen Woche meldete der Nachrichtendienst Bloomberg, Apple wolle demnächst die Airplay-Technologie auch für die Video-Übertragung an Dritthersteller lizenzieren. Airplay überträgt Musik und Filme von jedem iPhone, iPad und der iTunes-Bibliothek am Computer via Heimnetzwerk auf Airplay-fähige Empfangsgeräte. Seit Anfang des Jahres gibt es Airplay-Audiogeräte auch von Drittherstellern wie Denon, B&W oder Marantz. Die Lizenzierung der Airplay-Technik an Dritthersteller ist für Apple etwas Neues – bislang funktionierte das System Apple stets als geschlossene Einheit aus eigenen Geräten und Programmen. Doch in letzter Zeit öffnete sich der Konzern – vor allem in Sachen Wohnzimmer-Entertainment.

Die Lizenzierung für die Airplay-Videoübertragung an netzwerkfähige Fernseher liegt als nächster Schritt nahe – eben auch, weil Apple für den Filmgenuss auf dem großen Bildschirm bislang kein eigenes Erfolgs-Produkt hat. Laut Bloomberg rennt Apple damit offene Türen ein: „Wir hätten definitiv Interesse an der Technologie” zitiert der Nachrichtendienst etwa einen Marketing-Manager von Philips. Kein Wunder: Apple hat mit iTunes und seinen Mobilgeräten eine riesige Verbreitung in Sachen Inhalte-Verwaltung. Per Airplay ließen sich dann Videos in SD- oder HD-Auflösung vom Computer aus ebenso auf den Fernsehschirm schicken wie vom iPad, iPod oder iPhone.

Andererseits berichten Insider schon seit längerer Zeit immer wieder von Entwicklungsarbeiten an einem eigenen HDTV-Gerät von Apple. In regelmäßigen Abständen ermutigen Analysten den Konzern, einen einfach bedienbaren Fernseher mit Netzwerk-Funktionen und Apps auf den Markt zu bringen. Zuletzt berichtete eine Expertin des Finanzkonzerns Morgan Stanley konkret über die Entwicklung des so genannten „Smart TV” von Apple, der angeblich 2012 auf den Markt kommen soll. Für 2013 verspricht sie dem Konzern einen Marktanteil von einem Prozent am TV-Weltmarkt – was für die erfolgsverwöhnten Produktplaner von Apple keine wirklich ermutigende Zahl sein dürfte.

DIGITAL-ROOM meint: Apple und der iTunes-Videostore sind in Sachen Filmangebot Spitze – das zeigen nicht zuletzt regelmäßige Vergleiche der verschiedenen Online-Videotheken. Allerdings fehlt eine einfache und erfolgreiche Technik, um Videos auch im Wohnzimmer sehen zu können. AppleTV ist ein tolles Kästchen, aber eben ein zusätzliches Gerät mit wenig Sex-Appeal. Ein eigener Apple-Fernseher dürfte aber auch nicht die Königslösung sein, denn der Markt ist eng und hart umkämpft. Das merkt auch Internet-Gigant Google, der mit seinem Google-TV-Projekt offenbar nicht recht vom Hof kommt. Und Apple macht schließlich auch keine eigenen AV-Receiver, sondern lässt Hersteller wie Denon oder Pioneer Dock-Schnittstellen und Airplay-Empfänger gegen Gebühr in ihre Geräte einbauen. Das sollte Apple schleunigst auch mit Fernsehern machen. Da dürfte schnell ein Wettlauf zwischen den Herstellern um diese Funktion einsetzen. Denn mit der Möglichkeit, Fotos und Videos drahtlos von Apple-Geräten auf den TV-Schirm zu beamen, lassen sich Fernseher noch besser verkaufen als mit 3D und anderen Gimmicks, die derzeit in den Prospekten stehen.

Autor: 
Reinhard Otter
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