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(6) 13.01.2012

Ausprobiert: Abo-Musikdienst Rdio

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Mit Rdio bietet ein weiterer Streaming-Dienst Millionen von Titeln auf Abruf an. Was unterscheidet den Newcomer von Simfy, Deezer, Napster & Co.?Rdio bietet Apps für Android, Blackberry, iOS und Windows Phone 7 anBild: Rdio

Für einen Test des neuen Musik-Abodienstes Rdio (sprich: Ar-Di-Oh) ist es noch etwas früh. Der jüngste Mitbewerber von Anbietern wie Deezer, Napster, Simfy oder Music Unlimited (Sony) ist gerade erst gestartet. Aber ausprobiert haben wir ihn schon mal – und mit der etablierten Konkurrenz verglichen.

Auffällig: Rdio ist vom Start weg im mobilen Internet gut aufgestellt. Es gibt Apps für iOS-Geräte, Android, Blackberry und Windows Phone 7. Da kann derzeit nur Deezer mithalten, wobei die Windows-App des französischen Abo-Dienstes laut Webseite nur drei Smartphone-Modelle unterstützt. Simfy läuft gar nicht auf WP 7, Napster vernachlässigt neben Windows Phone auch Blackberry und der Sony-Dienst Music Unlimited bietet im Augenblick nicht einmal Apps für iPhone, iPad & Co. Die sollen nach jüngsten Aussagen auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas erst im Frühjahr 2012 erscheinen.

Gut gestaltete Apps
DIGITAL-ROOM hat vorerst nur die Rdio-Apps für iOS und Android getestet, mit denen der Service allerdings den größten Teil der mobilen Hörerschaft erreicht. Die Programme für beide Plattformen sind schlicht und übersichtlich. Auf Apple-Geräten hat der Nutzer aber mehr Möglichkeiten: Er gelangt per Suche, über Chart-Listen, Neuerscheinungen oder redaktionelle Empfehlungen bequem zur Musik. Die Android-App (Version 0.9.18, benötigt Android 1.6 oder höher) ist nur teilweise übersetzt, etwas instabil und bot zum Testzeitpunkt recht eingeschränkte Suchfunktionen. Und in noch einem Punkt sticht iOS das Android-Programm aus: Die Rdio-App für iPhone, iPod Touch und iPad unterstützt Airplay. Das komplette Musikprogramm lässt sich damit drahtlos per WLAN auf geeigneten Lautsprechern, Surround-Receivern oder einem Apple-TV wiedergeben. Anders als im Falle von Napster werden dabei die kompletten Titelinformationen inklusive Cover gleich mitübertragen. Das kann ansonsten nur Deezer. Die Apps der übrigen Anbieter beherrschen ohnehin kein Airplay.

Die Rdio-Apps funktionieren in gewohnter Manier: Musik wird gestreamt, das heißt übers Internet aus der Cloud auf das mobile Gerät übertragen. Mit einer Bildschirmtaste neben dem Album oder Titel lassen sich Songs lokal auf dem mobilen Gerät speichern und auch dann hören, wenn keine Internet-Verbindung per WLAN oder 3G zur Verfügung steht. Zusätzlich kann der Nutzer vom heimischen Computer aus bestimmen, welche Musik er unterwegs dabei haben will: Das Web-Angebot von Rdio erlaubt es, Songs auf das Handy zu kopieren oder wieder davon zu entfernen. Die Cloud gleicht den Datenbestand automatisch ab. Sind mehrere Mobilgeräte mit dem Rdio-Konto verbunden – etwa iPhone und iPad – gilt die Einstellung für alle Apps. Allerdings kann immer nur auf einem Gerät Musik gehört werden. Läuft etwa ein Song am PC und startet man einen anderen am iPhone, stoppt die erste Wiedergabe. Das handhaben Deezer oder Music Unlimited genauso. Juke, Napster und Simfy interessanterweise nicht. Hier kann auf mehreren Geräten parallel mit demselben Account Musik gehört werden.

Wiedergabe auf Sonos-Playern
Als Wiedergabegerät kommen neben Smartphones, Tablets und Computern auch Multiroom-Anlagen von Sonos in Frage. Der Streaming-Pioneer hat pünktlich zum Deutschland-Start sein Programm erweitert. Neben Deezer, Juke und Napster soll auf Sonos-Systemen neuerdings auch Rdio abrufbar sein. Unangefochtener Spitzenreiter auf diesem Gebiet bleibt Napster. Die Musik des dienstältesten Streaming-Angebots lässt sich auf zahllosen Geräten wiedergeben – von der Squeezebox über AV-Receiver und HiFi-Anlagen bis hin zu TV-Geräten.

Eine praktische Zusatzfunktion bieten spezielle Desktop-Player für PC und Mac, die von der Rdio-Webseite heruntergeladen und auf dem Computer installiert werden. Sie gleichen die iTunes-Bibliothek oder den Windows Media Player am heimischen Rechner mit dem Musikkatalog in der Cloud ab. Dann übermitteln sie die Namen der Titel an den Rdio-Dienst, der seinen Abonnenten das private Archiv online verfügbar macht – ohne dass sie Tausende von Titeln umständlich suchen und von Hand dem Rdio-Account hinzufügen müssten. Das Prinzip erinnert an den Apple-Dienst iTunes Match (siehe Zusatz-Info unten auf dieser Seite) oder den MusicSync von Sony. Soweit die Theorie. Leider funktioniert der Abgleich im Augenblick nur sehr unvollständig: Von 3177 Songs unserer Test-Mediathek konnte Rdio nur etwa die Hälfte identifizieren (1570 Titel).

Diese Titel tauchten anschließend zwar unter „Sammlung” am PC und in den Apps auf, ließen sich größtenteils aber nicht abspielen: „Nicht verfügbar” stand neben so gängigen CDs wie dem Hitalbum „21” von Adele oder „The E.N.D” von den Black Eyed Peas. Auch die aktuelle Coldplay-Scheibe „Mylo Xyloto”: Fehlanzeige. Etlichen Alben sind nur mit einzelnen Songs vertreten, was darauf schließen lässt, dass von den 12 Millionen Titeln des Katalogs nur ein kleiner Teil den deutschen Kunden offen steht. Aber der Dienst ist hierzulande ja gerade erst gestartet, und auch iTunes hat mal klein angefangen. Wer Rdio selbst ausprobieren möchte: Neue Nutzer können das komplette Angebot ohne Angabe einer Kreditkarte oder anderer Zahlungsmittel sieben Tage lang testen. Danach kostet der Musikabruf per Webbrowser 4,99 Euro monatlich, ein Vollzugriff mit Apps und Musik-Abgleich 9,99 Euro im Monat. Damit liegt der Newcomer auf branchenüblichem Niveau. Kurioserweise ist das Abo als In-App-Kauf am iPhone oder iPad deutlich teurer als im Web. Mobil erworben kostet „Unbegrenzt Rdio” 16,99 Euro. Ob der Anbieter weiß, dass er damit gegen Apples Bestimmungen für In-App-Käufe verstößt?

DIGITAL-ROOM meint: Noch ein Abo-Dienst für Streaming-Musik – hat darauf die Welt gewartet? Wenn er so elegant und einfach zu bedienen ist wie Rdio vielleicht. Auch der Umgang mit dem Kunden scheint fair, von der Preispolitik im App-Store einmal abgesehen. So können sich Facebook-Nutzer zwar mit ihren Zugangsdaten registrieren, der Dienst drängt sich aber nicht ins Facebook-Profil (wie Deezer) und setzt auch kein Konto beim sozialen Netzwerk für die Erstanmeldung voraus. Im Musik-Katalog klaffen noch deutliche Lücken, aber es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis diese sich füllen. Die wachsende Zahl an Anbietern und der zunehmende Konkurrenzdruck sorgen dafür, dass Dienste und Gebühren sich annähern. Vor einigen Monaten bot nur Simfy den netzunabhängigen Offline-Betrieb am Handy. Inzwischen haben fast alle Anbieter nachgezogen.

Autor: 
Frank-Oliver Grün
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