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(12) 09.01.2012

Ausprobiert: Android-Tablet für 160 Euro

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Mit dem Cat Nova verkauft der Weltbild-Verlag einen besonders günstigen Bildschirm-Computer. Der Test klärt, ob das Tablet sein Geld wert ist.Der Weltbild-Tablet besitzt zwei Kameras und hat ein 20,3 Zentimeter großes Display.Bild: Weltbild

Zwischen 230 und 280 Euro muss man normalerweise für einen günstigen Tablet-PC wie das Acer Iconia A100, das Archos 10.1 oder das ViewSonic ViewPad 10s ausgeben. Das iPad 2 von Apple fängt gar erst bei 479 Euro an. Da erscheint das Android-Tablet des Weltbild-Verlags für gerade mal 160 Euro unglaublich günstig. DIGITAL-ROOM hat das Cat Nova vom deutschen Hersteller Eins SE ausgiebig getestet und schildert hier seine Erfahrungen.

Ausgestattet ist die schwarze Flunder mit einem 8 Zoll großen Display (20,3 Zentimeter). Damit hat sie weniger Bildschirmdiagonale als das iPad 2 (9,7 Zoll = 24,6 Zentimeter) und ist mit 500 Gramm auch leichter. Trotzdem fühlt sich das Cat Nova wuchtiger an als der Verkaufsschlager von Apple, was vor allem am dickeren Gehäuse liegt: Mit 1,4 Zentimeter ist das Android-Tablet deutlich stärker als ein iPad 2 (rund 9 Millimeter). Die gummierte Rückseite liegt gut in der Hand. Allerdings wirkt das Gehäuse insgesamt nicht sehr stabil. Schon leichter Druck gegen die Rückseite führt zu Farbschlieren auf dem Display. Weltbild zufolge sind solche Wellenmuster für Tablets in dieser Preisklasse nicht unüblich, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage von DIGITAL-ROOM.

Touch-Technik wie ein Großer
Auf der Vorderseite deckt eine Kunststoffscheibe das 4:3-Display mit 800 x 600 Bildpunkten ab. Die Auflösung ist geringer als beim iPad (1024 x 768 Pixel) oder iPhone (960 x 640 Pixel), was angesichts des niedrigen Preises aber unvermeidbar sein dürfte. Im Freien spiegelt der Bildschirm enorm, zu Hause lässt er sich gut ablesen. Allerdings fällt hier schnell der eingeschränkte seitliche Betrachtungswinkel auf. Optimale Ablesbarkeit gibt es nur, wenn man senkrecht von vorne auf die Plastikscheibe schaut.

Der Touchscreen arbeitet kapazitiv, also durch Änderung kleinster elektrischer Ladungen, die beim Berühren der Oberfläche mit dem Finger erzeugt werden. So lässt sich ohne viel Druck das Bild durch Wischbewegungen umblättern und der Ausschnitt mit zwei Fingern vergrößern oder verkleinern. Andere Low-Budget-Tablets nutzen die schwergängigere „resistive” Methode und lassen sich auch mit einem beliebigen Stift bedienen. Der Weltbild-Schirm reagiert dagegen beim Auflegen eines oder mehrerer Finger, wie im übrigen auch das iPad und das iPhone. Am Display-Rand gibt es die typischen vier Navigationsfelder eines Android-2.x-Geräts, über die man zur Startseite gelangt oder etwa beim Surfen im Internet eine Seite zurückspringen kann. Allerdings reagieren die Sensor-Felder nicht sehr zuverlässig. Mitunter sind drei oder vier Fingertipps nötig, ehe das Tablet den Befehl ausführt. Gleiches gilt für die einblendbare Bildschirm-Tastatur. Auch hier erscheint ein Buchstabe nicht immer sofort, selbst wenn man das entsprechende Feld kraftvoll berührt hat.

Stockende Bedienabläufe
Als Betriebssystem kommt Android 2.3 zum Einsatz, also eine Version des Google-Betriebssystems, die ursprünglich für Smartphones entwickelt wurde. Laut Hersteller ist die Fähigkeit zum Update gegeben. An Bord arbeitet ein 1,2-Gigahertz-Cortex-A8-Prozessor, der an seine Grenzen stößt, wenn eine Anwendung startet und man parallel dazu an anderer Stelle weiterarbeiten möchte. Dann passiert für kurze Zeit gar nichts. Der interne Speicher fasst lediglich vier Gigabyte, kann mit MicroSD-Karten aber preisgünstig erweitert werden. Zur übrigen Ausstattung gehören eine Mini-USB- und eine Mini-HDMI-Buchse, ein Kopfhörerausgang, Lautsprecher sowie ein GPS-Modul zur Standortbestimmung in Android-Apps und zum Navigieren. Ein Lagesensor soll den Display-Inhalt drehen, sobald sich die Bildschirmausrichtung ändert. Allerdings reagierte der im Test phasenweise entweder extrem sensibel oder gar nicht – beides war störend und schmälert den Bedienkomfort. Deshalb sollte man die Funktion möglichst sofort deaktivieren, wenn das Tablet wie gewünscht ausgerichtet ist.

Drei Stunden Akkulaufzeit
Der 4400 mAh starke Akku (Weltbild nennt keine Details zum Typ) kann nur über das mitgelieferte Netzteil geladen werden, die USB-Buchse eines Computers liefert nicht genug Ladestrom. Das ist schade, denn mit aktiviertem WLAN und hochgedrehter Display-Helligkeit muss das Tablet bereits nach rund drei Stunden zum Auftanken an die Steckdose. Beim Surfen per WLAN (im Standard 802.11 b/g mit maximal 54 MBit/s) muss man mit stark schwankendem Signalpegel leben. Daher ist kein konstant schneller Seitenaufbau möglich. Internetseiten mit komplexen Inhalten werden erst komplett geladen, ehe man nach unten scrollen oder einen Ausschnitt herauszoomen kann. Dafür unterstützt das Weltbild-Tablet auch Flash-Seiten im Internet, wodurch die Mediatheken von ARD und ZDF oder andere Video-Angebote per Browser abrufbar werden. Um die 45-Minuten-Folge einer TV-Serie abspielen zu können, ist jedoch viel Geduld gefragt. Im Display erschien bei uns zunächst sehr lange und dann in regelmäßigen Abständen die Meldung „Video wird geladen“. Besser funktioniert der Abruf kurzer YouTube-Clips – solange sie nicht in HD-Auflösung angesehen werden.

Zwei integrierte Kameras
Eine Linse auf der Vorderseite (1,3 Megapixel) und eine an der Gehäuserückseite (2 MP) sind zum Fotografieren, Filmen und für Videotelefonie gedacht. Die Bildqualität hält sich jedoch in Grenzen, bei schlechten Lichtverhältnissen braucht man gar nicht erst den Auslöser zu betätigen.

Bereits vorinstalliert sind unter anderem ein E-Mail-Programm, ein Kalender, Google Maps sowie der Android-Market, wo mehr als 100.000 kostenlose Apps wie Spielchen, Büroprogrämmchen, Tools und nette Anwendungen zum Zeitvertreib warten. Selbst überzeugte Apple-Fans, die bislang nur im App-Store gestöbert haben, sind über die große Auswahl überrascht.

DIGITAL-ROOM meint: Dem Weltbild-Tablet merkt man seinen günstigen Preis an vielen Stellen an. Der überempfindliche Lagesensor, das teilweise träge Reaktionsverhalten, der schwankende WLAN-Empfang und die kurze Akkulaufzeit empfehlen das Gerät nicht gerade als mobilen Notebook-Ersatz. Vergleiche zum iPad 2 sollte man schon wegen des gravierenden Preisunterschieds erst gar nicht anstellen. Wer gelegentlich ein bisschen im Internet surfen, seine E-Mails abrufen oder sich an Android-Spielen erfreuen möchte, der kann mit dem Cat Nova glücklich werden. Für rund 100 Euro mehr gibt es allerdings schon ausgereiftere Modelle, zum Beispiel von Acer oder Archos.

Autor: 
Jochen Wieloch
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