Bild: Medion/DR
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Mit dem Play Store ist Google seinem Konkurrenten Apple auf den Fersen: Nach Apps und Büchern gibt es dort neuerdings auch Spielfilme zu kaufen. Oder besser gesagt: zu leihen. Denn bislang können Titel noch nicht dauerhaft erworben werden. Es funktioniert nur die zeitweise Ausleihe im Web oder auf mobilen Android-Geräten. Die Leihfrist beträgt wie bei anderen Video-on-Demand-Diensten 30 Tage. Ist der Film einmal gestartet worden, steht er 48 Stunden lang zur Verfügung. Wer ihn danach noch einmal sehen möchte, muss ihn neu leihen.
Preise auf Konkurrenz-Niveau
Aktuelle Filme kosten 3,99 Euro pro Leihvorgang, in der HD-Version 4,99 Euro. Ältere Titel gibt es jeweils einen Euro günstiger. Bezahlt wird mit einem Google Wallet Konto, das der Nutzer direkt vor der Ausleihe anlegen kann. Es ist mit seinem Google-Konto verknüpft und benötigt eine Kreditkarte als Zahlungsmittel. Die Online-Videothek ist nicht so umfangreich wie iTunes oder Maxdome, was vor allem daran liegt, dass einige große Studios wie Fox, Lionsgate oder Warner noch nicht an Bord sind. Das dürfte sich aber rasch ändern. Auch die Konkurrenten sind vor einigen Jahren mit ein paar Hundert Titeln gestartet. Verträge mit Disney, Paramount, Sony und Universal sorgen schon jetzt dafür, dass aktuelle Filme wie die Science-Fiction-Blockbuster „Battleship” und „John Carter” oder der Oscar-Abräumer „Hugo Cabret” von Martin Scorsese auf Abruf bereit stehen.
Die Anlaufprobleme liegen nach ersten Erfahrungen von DIGITAL-ROOM woanders: Der Nutzer bekommt nicht eindeutig erklärt, wie und auf welchen Geräten er die Filme nutzen kann. Die Information, dass „jedes Leihvideo nur auf einem Gerät gleichzeitig angesehen werden darf, entweder online oder über ein autorisiertes Offline-Gerät”, ist weit hinten in den Nutzungsbedingungen versteckt. Im Play Store beim Kauf oder sonstwo im Filmangebot steht nichts davon.
Verwirrende Angaben
Die Shop-Informationen im Web verwirren zusätzlich. So hat der Nutzer bei vielen Titeln die Wahl zwischen einer SD- und einer qualitativ besseren HD-Version des Films. Die SD-Fassung erlaubt laut Text auf der Webseite die Wiedergabe „in Standardqualität im Web oder auf unterstützten Android-Geräten”. HD laufe hingegen nur „auf unterstützten Android-Geräten”. Welche das sind, darüber lässt Google seine Kunden im Unklaren. Es dürfte sich um Geräte wie das kommende Google-Tablet Nexus 7 handeln, die mit 1280 x 800 Pixeln genug Auflösung für ein 720p-Video mitbringen. Allerdings spielen die HD-Käufe auch auf Android-Smartphones und -Tablets mit geringerer Bildschirmauflösung. DIGITAL-ROOM hat's ausprobiert: Die Filme lassen sich zum Beispiel auf einem Medion Lifetab mit 1024 x 768 Pixel (Bild oben) problemlos ansehen. Das Bild ist gut, wenn auch nicht ganz so scharf wie der Trailer desselben Films („Battleship”) in 720p auf YouTube. Auf einem aktuellen Apple-iPad mit Retina-Display ist die Qualität deutlich besser – allerdings wird „Battleship” von iTunes zum selben Preis (4,99 Euro) auch in Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Bildpunkten (1080p) übertragen.
Auf der Webseite von Google Play funktionieren ebenfalls beide Filmversionen. Wer bei der Bestellung „HD” wählt, muss entgegen anders lautender Angaben auf der Seite nicht befürchten, dass er den Film nur auf Android-Geräten sehen kann. Zur Wiedergabe im Browser verwendet Google seinen bekannten YouTube-Videoplayer, in dem sich rechts unten die Auflösung einstellen lässt. Dort steht neben der Standard-Qualität 480p auch eine Version in 360p für langsamere Internet-Verbindungen zur Wahl. Wer einen HD-Film leiht, bekommt zusätzlich 720p angeboten, allerdings gab es im Test von DIGITAL-ROOM bei Auswahl der HD-Auflösung keinen Film, sondern eine Fehlermeldung.
Richtig vertrackt wird die Sache, wenn man seinen Leihfilm während der 48 Stunden sowohl am PC als auch auf einem Android-Tablet sehen möchte – ein häufiger Anwendungsfall, um etwa eine angefangene Wiedergabe unterwegs fortzusetzen. Apple löst die Aufgabe derzeit noch mit Download-Dateien, die vom Computer auf ein iPad oder iPhone und wieder zurück verschoben werden können. Sie verschwinden dabei jeweils auf dem nicht benutzten Gerät – umständlich, aber zuverlässig. Allerdings muss der Film dazu in iTunes am Computer bestellt und danach auf ein mobiles Apple-Gerät übertragen werden. Wer ihn direkt am iPad oder iPhone leiht, bekommt die Datei anschließend nicht mehr auf seinen PC.
Google setzt stattdessen wie in seinem YouTube-Angebot auf Streaming: Die Videos werden von Servern im Internet nur für die Dauer der Wiedergabe in den PC-Browser übertragen. Zum Abruf auf Android-Geräten gibt es die Gratis-App „Google Play Movies”. Sie wickelt auf Wunsch den kompletten Bestellvorgang ab, verwaltet geliehene Filme und dient als Video-Player. Obendrein bietet sie eine Download-Funktion, die – ähnlich wie bei Apple – den Film lokal auf dem Gerät speichert. Er lässt sich dann auch unterwegs ohne Internet-Verbindung abspielen.
Unerwartete Abspiel-Blockaden
Im Praxistest von DIGITAL-ROOM bereitete der Download jedoch Probleme. Wie von Google vorgesehen, läuft der Film nicht mehr am PC, sobald er auf ein Android-Gerät heruntergeladen ist. Darüber informiert das System den Nutzer aber nicht. Stattdessen zeigt der Player am Computer den irreführenden Hinweis „Ein Fehler ist aufgetreten, versuche es später erneut". Wird der Film vom Android-Gerät gelöscht – und läuft die Leihfrist noch – sollte er eigentlich am PC wieder abrufbar sein. Diese Information bekommen Kunden auch auf Nachfrage vom Google-Support. Im Test blieb die Wiedergabe am PC aber meist blockiert – und zwar bei beiden von DIGITAL-ROOM geliehenen Filmen („Battleship” und „John Carter”). Auf einigen Computern funktionierte die Wiedergabe, auf anderen nicht. Noch ärgerlicher: Nach Löschen der Downloads vom Medion Lifetab waren beide Filme auch auf dem Android-Tablet über mehrere Stunden nicht abrufbar. Die App meldete stattdessen „Fehler bei der Wiedergabe [-2147483648]”. Erst am nächsten Morgen funktionierte alles wieder wie gewünscht. Da waren von den 48 Stunden Leihrist aber mehr als die Hälfte schon verstrichen.
DIGITAL-ROOM meint: Google sollte das Rechte-Management (DRM) seiner Filme im Play Store noch einmal überprüfen und gegebenenfalls überarbeiten. Wer bis zu 4,99 Euro pro Ausleihe bezahlt, möchte Filme schauen und sich nicht mit kryptischen Fehlermeldungen abplagen. Auch der Kundensupport mit teilweise englischsprachigen Web-Formularen wirkt notdürftig zusammengestrickt. Maxdome, iTunes oder Video Unlimited von Sony haben derzeit nicht nur im Filmangebot die Nase vorn, sondern auch bei der Nutzerfreundlichkeit.
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