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Am 26. Dezember 2011 soll es soweit sein. Wie verschiedene Branchenmagazine übereinstimmend berichten, startet zu diesem Termin die neue Wunderwaffe der Filmindustrie in England. „UltraViolet” stellt Käufern von Blu-ray-Discs und DVDs eine Art Online-Schließfach zur Verfügung, in dem Kopien der erworbenen Filme lagern. Aus diesem Archiv kann der Käufer seinen Film auf den PC oder mobile Geräte streamen, um sie fern vom heimischen Player anzusehen. Auch ein Download soll künftig möglich sein, damit zur Wiedergabe keine Internet-Verbindung nötig ist. Im Augenblick gibt es aber nur Streaming-Angebote.
UltraViolet wurde Anfang 2011 auf der CES zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit präsentiert (siehe Zusatz-Info unten) und ist im Oktober in den USA gestartet. Das System wird von fünf der sechs großen Hollywood-Studios unterstützt. Lediglich Disney hält sich zurück. The Walt Disney Company entwickelt mit „Keychest” seit geraumer Zeit ein konkurrierendes Verfahren und pflegt außerdem gute Beziehungen zu Apple. Der iPhone- und iPad-Erfinder fehlt in der Mitgliederliste der UltraViolet-Allianz, die sich mit Namen wie HP, Intel, LG, Microsoft, Nokia, Philips, Samsung, Sony und Toshiba liest wie ein Who-is-Who der Elektronikbranche. Apple hat mit iTunes und den daran geknüpften Geräten ein eigenes Eisen im Feuer, das ganz ohne Discs funktioniert. Zwar gibt es Scheiben im Handel, die eine „Digital Copy” zur Verwendung in iTunes enthalten, doch sorgte dieses Bonusmaterial in der Vergangenheit immer wieder für Verwirrung beim Kunden. Mehr dazu in unserem Artikel über die Digital Copy.
Bei UltraViolet bekommt der Käufer zusammen mit der Disc einen zwölfstelligen Code, den er nach Registrierung auf der UV-Webseite online einlöst. Nach Eingabe des Codes erscheint der gekaufte Film automatisch im Filmarchiv des Kunden. Von dort aus lässt er sich auf verschiedene Weise abrufen. Für das Streaming am Computer genügt laut Sony ein Windows-PC oder Mac mit aktuellem Browser. iPhone und iPad können über ihren Safari-Browser oder eine spezielle App auf das Archiv zugreifen. UltraViolet-Unterstützer Flixster bietet zudem eine App für Android-Smartphones an. Sony Pictures und Universal haben Webseiten mit eigenem UV-Zugang ins Internet gestellt. Außerdem plant laut paidcontent.org die Supermarktkette Tesco, ihren Video-on-Demand-Dienst „Blinkbox” fit für UltraViolet zu machen; Amazon-Ableger „LoveFilm” ist ebenfalls Mitglied der Allianz. An Möglichkeiten zum Filmabruf dürfte es also nicht mangeln.
Drei Videos darf der Kunde nach den UV-Bedingungen gleichzeitig streamen, bis zu sechs Mitglieder eines Haushalts haben Zugriff auf die Film-Bibliothek. Der Abruf ist im ersten Jahr nach Kauf der Disc kostenlos, danach können die Streaming-Anbieter eine Gebühr dafür verlangen. Wie hoch die Kosten sind, wird wohl der Markt entscheiden, wenn es soweit ist. Den Vorreiter in Großbritannien gibt – wie schon in den Vereinigten Staaten – das Studio Warner Brothers: Der Teenie-Horror „Final Destination 5” erhält als erste europäische Disc eine Verpackung mit UV-Code. Danach, so Chris Law, Geschäftsführer von Warner Bros. Television and Digital Distribution UK zum Branchenmagazin ScreenDaily, sollen „alle Kino-Neuerscheinungen von WB UltraViolet-fähig sein”.
In den USA, wo das System vor einigen Wochen gestartet ist, gibt es mittlerweile die überschaubare Anzahl von neun Titeln, darunter „Hangover 2”, „Green Lantern” (beide Warner) und „Die Schlümpfe” (Sony). Eine Handvoll weiterer Discs, darunter „Contagion”, „Tage des Verrats” und „Mein Freund der Delfin”, ist angekündigt. Nach technischen Anlaufproblemen zu Beginn kommt UltraViolet nun langsam in Schwung. Allerdings werden deutsche Filmfans noch einige Zeit darauf warten müssen. Auf England folgt 2012 erst einmal Kanada, der Rest der Welt ist nach aktuellem Stand der Planungen frühestens 2013 dran.
DIGITAL-ROOM meint: UltraViolet schlägt die Brücke zwischen Online- und Offline-Medien, zwischen Filmgenuss in bester Qualität zu Hause und der schnellen Verfügbarkeit unterwegs. Um auch weiterhin Scheiben verkaufen zu können, haben die Studios diesen Komfort derzeit an DVDs und Blu-ray-Discs geknüpft. Selbst wer Filme nur am PC, Smartphone oder Tablet anschauen will, muss einen physischen Datenträger erwerben und zu Hause ins Regal stellen. Das wirkt etwas anachronistisch und kurbelt vielleicht den Second-Hand-Markt auf Ebay an: Der Erstbesitzer nutzt den UltraViolet-Code und verkauft die Disc – ohne UV-Funktion – anschließend weiter.
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