Bild: Aizo
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Das Konzept klingt vielversprechend: Lampen, Lichtschalter, aber auch Rolladen-Antriebe oder Türklingeln lassen sich durch einen Mikrochip intelligent machen. Der Schaltkreis ist direkt ins Gerät integriert – oder in eine sogenannte Lüsterklemme eingebaut, die vor dem Verbraucher im Anschlusskabel hängt.
So wird aus dem heimischen Energienetz ein „digitalSTROM”-Netz, wie es sein Mitentwickler Prof. Dr. Ludger Hovestadt nennt. Der Professor für „Computer-Aided Architectural Design” an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) hat eine Vision: Elektrische Verbraucher im Haushalt sollen über die normale Stromleitung steuerbar sein. Mit einem Tastendruck ließe sich dann beim Verlassen der Wohnung zentral das Licht ausschalten und jede Steckdose, die nicht unbedingt benötigt wird, stromlos machen. Die Waschmaschine könnte einen Impuls vom Energieversorger bekommen und genau dann mit ihrem Programm beginnen, wann die Kilowattstunde am günstigsten ist. Das schaffen Bus-Systeme wie der 20 Jahre alte Installations-Standard KNX (früher EIB) zwar auch, aber nur nach diversen Baumaßnahmen und aufwendiger Konfiguration.
Für Digitalstrom müssen keine Schlitze in die Wände geschlagen werden. Das vorhandene Leitungsnetz reicht völlig aus, verspricht das Unternehmen Aizo AG, das exklusiv die nötigen dSID-Chips vertreibt. Aizo ist eine Ausgründung der ETH Zürich und wurde 2004 von den Digitalstrom-Erfindern Ludger Hovestadt und Wilfried Beck ins Leben gerufen. Marktfähige Produkte gibt es aber erst jetzt. Elektriker, die eine eintägige Schulung absolviert haben, können sie bestellen. Die Auswahl ist derzeit auf wenige Bauteile begrenzt. So gibt es Klemmen zum Schalten und Dimmen von Lampen, für die Türklingel oder eine Panik-Funktion, die in der ganzen Wohnung Licht macht. Lösungen für Heizung, Sonnenschutz, Audio- oder Videogeräte sollen laut Aizo im Herbst folgen. Auch eine frei programmierbare „Joker”-Klemme sei geplant. Wie bunte Legosteine haben die Lüsterklemmen, abhängig vom Funktionsbereich, verschiedene Farben: Geld steht für „Licht”, Rot für „Sicherheit”, Grün für „Zugang”, Blau für „Klima” und so weiter. Wann Geräte mit fix und fertig integriertem Chip auf den Markt kommen, ist offen. „Wir sind hier noch in Gesprächen”, teile Aizo-Pressesprecher Patrick Preuss auf Nachfrage von DIGITAL-ROOM mit.
Gesteuert wird die Installation entweder durch Apps am iPhone und iPad oder durch mehrfaches Drücken konventioneller Taster an der Wand. Vergleichbar einem Morsealphabet ruft zweimal drücken eine andere Lichtstimmung ab als dreimal oder viermal den Schalter betätigen. Ein kurzer Tastendruck, gefolgt von einem langen, startet laut Anleitung im Web den Programmierbetrieb: Alle Digitalstrom-Leuchten im Raum lassen sich nun nacheinander auswählen, dimmen oder ganz abschalten. Die jeweils aktive Lampe blinkt, um zu zeigen, dass sie an der Reihe ist. Mit „kurz – lang” wird die Einstellung am Ende gespeichert.
Wem das zum umständlich ist, der soll sein intelligentes Netz auch am PC verwalten können. Ein Modul namens „digitalSTROM Server”, kaum größer als ein Sicherungsautomat, nimmt dazu im Zählerkasten Platz und wird per Netzwerk-Kabel mit dem heimischen Router verbunden. Außerdem ist für jeden Stromkreis ein „digitalSTROM Meter” gleicher Größe nötig, das die eigentliche Steuerung übernimmt und die Energieaufnahme jedes einzelnen Gerätes misst. Das ist ein praktischer Nebeneffekt der Installation: Am iPhone oder PC kann der Wohnungsbesitzer ablesen, welches Gerät gerade wie viel Strom aufnimmt.
Rein theoretisch vermag der Energieversorger diese Daten übers Internet ebenfalls abzurufen – Voraussetzung für künftige Smart-Grids, die den Stromverbrauch im gesamten Netz intelligent steuern sollen. Allerdings ist dieses Thema datenschutzrechtlich völlig ungeklärt, weshalb Aizo ausdrücklich betont, dass der Kunde selbst entscheidet, welche Informationen er über seinen Server im Sicherungskasten nach draußen gibt. Die Energiekonzerne haben in jedem Fall Interesse an der Technologie: Yello Strom gehört zu den Gründern der digitalSTROM-Allianz, mit E.ON Metering, Holley Europe und Enexoma sind mehrere Experten für digitale, intelligente Stromzähler an Bord.
DIGITAL-ROOM meint: Nach jahrelangen Ankündigungen soll die Digitalstrom-Technologie endlich verfügbar sein. Nun muss sie zeigen, ob sie den Erwartungen gerecht wird. Zwar bietet das System nicht die komplexen Steuermöglichkeiten eines KNX/EIB-Netzes, soll dafür aber auch nachträglich leicht zu installieren sein. Die erhofften niedrigen Preise sind allerdings ausgeblieben: Eine Klemme kostet 69 bis 79 Euro plus Mehrwertsteuer. Das zentrale Steuermodul digitalSTROM Meter 189 Euro, der Server-Baustein 339 Euro. Ein Wohnzimmer schlägt so schnell mit mehr als 1000 Euro zu Buche. Außerdem dürfte die Nachrüstung in manchen Häusern schwierig sein, weil sie nicht über die von Aizo empfohlenen getrennten Stromkreise für jeden Raum verfügen. Trotzdem: Ein Anfang ist gemacht. Wie es weitergeht, wird die Praxis zeigen.
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