Bild: Sony
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Sinkende Preise
Erfreuliche Nachricht: Die elektronischen Lesegeräte sind für immer weniger Geld zu bekommen. Nachdem Amazon mit seinem Kindle am deutschen Markt vor wenigen Tagen die 100-Euro-Grenze unterboten hat, ziehen jetzt auch der Weltbild-Verlag und die Buchhandlung Hugendubel nach. Beide bringen mit dem „eBook Reader 3.0” von Trekstor ein neues Modell für gerade mal 60 Euro in den Handel. Das Gerät bietet fünf verschiedene Schriftgrößen und ermöglicht das Lesen im Hoch- und Querformat dank eines vierfachen Lagesensors.
In der Preisklasse um 150 Euro gibt es besonders viele Neuheiten. Sony führt Ende Oktober den Reader „Wi-Fi PRS-T1” ein (Abbildung oben). Er ist trotz seines relativ großen Displays mit 15,2 Zentimeter Diagonale (6 Zoll) nur 168 Gramm schwer und 9 Millimeter flach. Käufer können unter den Farben Weiß, Rot und Schwarz wählen. Auf demselben Preisniveau bewegt sich der „eReader Touch Edition” des kanadischen Anbieters Kobo – wahlweise in Blau, Lila, Silber oder Schwarz erhältlich. Auf seinem 6-Zoll-Display lassen sich Texte mit vielen Optionen den eigenen optischen Ansprüchen anpassen. So stehen 7 Schriften, 17 Schriftgrößen, unterschiedliche Absatzformatierungen, Zeilenabstände und Ränder zur Auswahl. Der hauseigene Kobo-Shop bietet laut Hersteller 2,4 Millionen Bücher, Zeitungen und Magazine an.
Rund 145 Euro kostet auch der seit kurzem erhältliche „Reader Story HD” von iRiver. Optisch erinnert er an den klassischen Kindle mit Tastatur von Amazon. Über ein Qwertz-Keyboard, wie man es auch von manchen Smartphones kennt, lassen sich Textpassagen suchen. Das Display mit E-Ink-Technologie löst bei gleicher Bildschirmgröße höher auf als die Screens der Konkurrenz: Es stellt 1024 x 768 Pixel statt der üblichen 800 x 800 Bildpunkte dar.
Farbige Displays
Von einem Trend zu sprechen wäre in diesem Zusammenhang etwas übertrieben, aber endlich gibt es auch die ersten Lesegeräte mit farbigem Display. Dazu zählt der Trekstor eBook-Reader 3.0 mit seinem 17,7 Zentimeter großen Flüssigkristall-Display (LCD). Eine Mischung aus Tablet und E-Book-Reader stellt das A10 von PocketBook dar, das ab November für rund 300 Euro in den Handel kommen soll. Es kann auf seinem 25,4 Zentimeter großen Display 262.000 Farben darstellen. Allerdings verzichtet auch dieses Gerät auf die stromsparende elektronische Tinte, weil es bislang keine massenmarkttaugliche E-Ink-Lösung für Farbdisplays gibt.
Der Lithium-Polymer-Akku im A10 hält deshalb laut Hersteller trotz seiner hohen Kapazität von 6600 mAh nur etwa acht Stunden durch. Ähnliches gilt für den preiswerten E-Reader von Trekstor. Im Vergleich dazu nehmen sich die schwarzweißen E-Ink-Displays immer noch wie Marathonläufer aus. Sie benötigen lediglich beim Seitenwechsel Strom und halten daher mit einer Akkuladung mehrere Woche lang durch. Zudem sind E-Ink in praller Sonne besser ablesbar als ein LCD-Schirm, sie brauchen im Dunkeln nur eine Leseleuchte, weil der Bildschirm nicht von selbst strahlt.
Berührungsempfindliche Bildschirme
Der von Tablets und Smartphones bekannte Touchscreen hält auch bei den Readern Einzug. Etwa beim eReader Touch Edition von Kobo, dessen drucksensitives Display mit 16 Graustufen komplett ohne Tasten auskommt. Eine Wischbewegung mit dem Finger genügt, um Seiten umzublättern. Textpassagen lassen sich wie bei einem iPhone oder iPad mit den Fingern vergrößern. Auch Sony setzt beim Wi-Fi PRS-T1 auf einen Touchscreen – oder Aldi-Hauslieferant Medion, dessen P6213 für das vierte Quartal angekündigt ist. Das 6-Zoll-Gerät hat ebenfalls einen E-Ink-Bildschirm mit 800 mal 600 Pixel Auflösung, weitere technische Daten und ein Preis sind noch nicht bekannt.
Die übrigen Funktionen der E-Book-Reader gleichen sich kontinuierlich an. So gehört Fotowiedergabe inzwischen fast zum Standard, obwohl das Ansehen von JPEG-, BMP-, oder TIFF-Dateien auf E-Ink-Displays mit 16 Graustufen wenig Freude macht. Audio-Dateien spielen viele Geräte ebenfalls ab (Ausnahme: iRiver Story HD) – und eignen sich damit häufig auch für Hörbücher. Beliebt sind darüber hinaus vorinstallierte Wörterbücher, um Begriffe in andere Sprachen zu übersetzen oder direkt aus dem Text heraus in Google oder Wikipedia nachzuschlagen. Neben der USB-Buchse zum Aufspielen neuer Bücher kommt immer öfter WLAN zum Einsatz (Sony, Kobo, PocketBook, Medion).
Der interne Speicher ist im Durchschnitt zwei Gigabyte groß und lässt sich durch Einschübe für SD-/SDHC- bzw. MicroSD-Karten um bis zu 32 GB erweitern. Abweichende Angaben machen die Hersteller zur Zahl der speicherbaren Buchtitel. Diese variieren zwischen 1200 Büchern beim Sony und 2000 Titeln beim Trekstor. Die Differenzen lassen sich dadurch erklären, dass jeder Hersteller andere Berechnungsgrundlagen heranzieht (Dateigröße pro Buch) und die Reader unterschiedlich viel Arbeitsspeicher für E-Books reservieren.
An E-Book-Formaten haben sich flächendeckend EPUB, PDF und TXT durchgesetzt. Vereinzelt kommt noch der Fiction-Book-Standard hinzu (FB2), der aber fast nur für russische Leser interessant ist. Um kommerzielle E-Books in großen Download-Shops zu kaufen, muss das Gerät ein Digitales Rechtemanagement (DRM) unterstützen. Das DRM von Adobe erfreut sich sich dabei großer Beliebtheit. Es wird von Buchhändlern wie libri.de oder thalia.de benutzt und von Herstellern wie Acer, iRiver, PocketBook, Sony oder Trekstor unterstützt. Eine Sonderstellung nehmen der Kindle-Shop von amazon.de oder iTunes von Apple ein: Deren kopiergeschützte Bücher können nur von den hauseigenen Geräten und Apps gelesen werden.
DIGITAL-ROOM meint: Wie alle technischen Geräte entwickeln sich auch die E-Books weiter. Allerdings ist in den nächsten Monaten kein Quantensprung zu erwarten. Besondere Innovationen wie Displays mit farbiger Tinte bleiben vorerst aus. So sollten Interessenten, die mit einem Reader wirklich nur elektronische Bücher konsumieren wollen, zu einem Gerät mit E-Ink-Bildschirm greifen. Wegen ihrer langen Akkulaufzeit und der besseren Lesbarkeit im Freien sind sie für diesen Zweck prädestiniert. Wer hingegen Wert auf multimediale Extras legt und gerne Magazine oder Zeitungen in digitaler Form liest, der ist mit einem Tablet besser beraten. Allerdings gibt es hier mit iPad, Galaxy Tab & Co. bereits starke Konkurrenten, die den neuen Farb-Readern las Leben schwer machen dürften.
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