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Die Deutsche Telekom hat heute auf der CeBIT einen neuen Online-Kiosk gestartet. Er soll Bücher, Zeitungen und Zeitschriften verkaufen – und zwar so, dass sie auf möglichst vielen digitalen Geräte angesehen werden können, nicht nur auf iPhone oder iPad. Das geht mit den Kindle-Apps von Amazon zwar auch, allerdings ist die Auswahl an deutschsprachigen E-Book- und Magazin-Downloads dort sehr begrenzt. Die Telekom will mit ihrem Angebot „PagePlace” nun genau diese Lücke füllen. Als E-Book-Lieferanten konnte man den Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels gewinnen (MVB), der auf seiner eigenen Plattform libreka.de bereits mehr als 70.000 elektronische Bücher anbietet.
Die Zeitschriften- und Zeitungsverleger dürften ebenfalls nicht abgeneigt sein, mit der Telekom ins Geschäft zu kommen – liegt man wegen verschärfter Abo-Konditionen im App-Store doch seit einigen Wochen mit Apple im Clinch. Zum Start bietet der Online-Kiosk allerdings nur einige Regionalzeitungen, die „Zeit", „Süddeutsche" und das „Handelsblatt”. Auf der Zeitschriften-Seite sieht es noch magerer aus: Die 17 Themenbereiche sind überwiegend leer. Nur „Für Sie", „Prinz" und „Wirtschaftswoche" haben es zur Eröffnung in den Shop geschafft. Aber was nicht ist kann ja noch werden, die Telekom bezeichnet Pageplace vorerst als Preview-Version mit „eingeschränktem Leistungsspektrum". Die Vollversion werde in Kürze erscheinen, heißt es auf der Webseite.
Deshalb gibt es vorerst auch nur ein Reader-Programm für Windows-Computer, die Mac-Software soll später im Frühjahr folgen. An mobilen Geräten werden bislang Apple-Geräte mit iOS 4.2 unterstützt. Apps für Android-Tablets und Smartphones sind in Arbeit, sie werden mindestens Version 2.2 (Froyo) voraussetzen.
Trotzdem kann man Pageplace schon testen, digitale Inhalte kaufen und auf iPhone, iPod oder iPad herunterladen. Als komfortables Bezahlverfahren steht Telekom-Kunden die monatliche Telefonrechnung zur Verfügung. Allerdings müssen sie dazu bei der Registrierung eine E-Mail-Adresse angeben, die mit ihrem Vertrag verknüpft ist, sonst bleibt ihnen nur die übliche Wahl unter Kreditkarte (Visa, MasterCard), ClickandBuy oder Paypal. Da sich die E-Mail-Adresse des Pageplay-Kontos nachträglich nicht mehr ändern lässt, wäre ein entsprechender Hinweis bei der Registrierung hilfreich.
Auch sonst wirkt vieles im Angebot mit der heißen Nadel gestrickt. So werden Neukunden von der iPad-App zur Registrierung auf die Pageplay-Webseite weitergeleitet, die für den Browser Safari jedoch ungenießbar ist. Es seien keine Cookies aktiviert, mäkelt irrtümlich der Telekom-Server. Wer zur Registrierung stattdessen einen anderen Browser am iPad benutzt, etwa iCabMobile, kommt problemlos durch und kann sich anmelden. Doch damit nicht genug: Die Navigation innerhalb der App – und innerhalb gekaufter Inhalte – ist wenig intuitiv. Es gibt keine Vorschau im Inhaltsverzeichnis, nur Seitenzahlen, was die Suche nach einem bestimmten Zeitungsartikel zur Nervenprüfung macht.
Die Ladezeiten stellen die Geduld des Nutzers ebenfalls auf eine harte Probe. So können sechs oder mehr Sekunden vergehen, ehe die App eine Doppelseite mit Börsenkursen aus dem Handelsblatt vollständig angezeigt hat. Das Zoomen der im Vollbild viel zu kleinen Schrift dauert dann noch einmal so lange. Und wehe, der Leser versucht, eine aufgezoomte Seite mit dem Finger zu verschieben – die nachgeladenen Teile werden zunächst unscharf dargestellt und brauchen weitere Sekunden, bis sie erkennbar werden. Lesevergnügen sieht anders aus.
DIGITAL-ROOM meint: Pageplace mag noch im Beta-Stadium sein, aber es fragt sich, warum die Telekom ein derart unfertiges Produkt überhaupt veröffentlicht. Mal abgesehen davon, dass der iPad-Nutzer zum Stöbern im Shop auf die normale Webseite weitergeleitet wird, deren Schriftgrößen und Schaltflächen für die Fingerbedienung eher ungeeignet sind – er muss sich dort auch bei jedem Besuch mit E-Mal-Adresse und Passwort anmelden. Ein Buch wurde nach dem Kauf zwar im virtuellen Regal des iPad angezeigt, ließ sich aber nicht öffnen („Die Inhalte konnten nicht geladen werden”). So müssen weder Amazon noch Google oder Apple die neue Konkurrenz aus Deutschland fürchten.
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