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(12) 17.02.2012

HTC Velocity 4G: Das erste LTE-Smartphone

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Handy-Hersteller HTC stellt das erste Mobiltelefon vor, das im neuen, schnellen LTE-Netz funktioniert. DIGITAL-ROOM hat es bereits ausprobiert. Das HTC Velocity 4G im PraxistestBild: Vodafone, DR

Bislang diente das 4G-Netz in erster Linie als DSL-Ersatz in ländlichen Gebieten und mithin zum Füllen der so genannten „weißen Flecken“ auf der Breitband-Landkarte. Doch nun stellt HTC ein Smartphone vor, mit dem sich unterwegs im schnellen Mobilfunknetz der vierten Generation surfen lässt.

Das Gerät läuft unter AndroidOS 2.3.7, ein späteres Upgrade auf die Version 4.0 „Ice Cream Sandwich“ ist geplant. Es präsentiert sich schlank und elegant, durch seinen ungewöhnlich großen 4,5-Zoll-Touchscreen (11,4 cm Displaydiagonale) ist das Handy aber nicht wirklich kompakt und mit 163 Gramm auch kein Leichtgewicht. Größe und Gewicht sind nicht zuletzt dem recht hohen Strombedarf der LTE-Technik geschuldet: Trotz hoher Akkukapazität von 1750 Milliampèrestunden hielt das Gerät im ersten Praxistest bei ständigem LTE-Surfen nur zwischen 4 und 5 Stunden durch.

Doch der Energieeinsatz lohnt sich: Das HTC trägt nicht umsonst den Namen „Velocity“ (englisch für „Geschwindigkeit“). Denn von dieser liefert es reichlich. Benchmark-Programme attestieren dem Gerät Download-Datenraten bis zu 50 MBit/s und Upload-Datenraten bis zu 20 MBit/s. Hinzu kommen die sehr schnellen Reaktionszeiten, im Fachslang „geringe Latenz“ genannt. Davon profitieren Nutzer in der Praxis am meisten: Wer etwa einen HD-Videoclip auf YouTube anschaut, muss beim Vor- und Zurückspringen im Abspielbalken kaum eine Sekunde warten, bevor die Wiedergabe an der neuen Stelle wieder anläuft. Da sind UMTS-Smartphone-Nutzer ganz andere Wartezeiten gewohnt. Der mit 1,5 Gigahertz getaktete Doppelkernprozessor, 1 Gigabyte RAM und 16 GB eingebauter Flash-Speicher (der sich mit microSDXC-Karten um bis zu weitere 64 GB ausbauen lässt) sorgen dafür, dass die mit Highspeed angelieferten Daten auch zügig im Gerät weiterverarbeitet werden können. Downloads und Uploads laufen sogar noch schneller als man es vom heimischen WLAN gewohnt ist.

Vorausgesetzt natürlich, das Velocity ist auch wirklich in einem 4G-Netz eingebucht. Und das findet sich bislang eher auf dem flachen Land sowie in wenigen, ersten Städten wie Düsseldorf und Berlin. Wer sich für das Gerät und das LTE-Netz interessiert, steht deshalb vor allem vor der Frage, ob er es an seinem Standort überhaupt nutzen kann. Informationen zum LTE-Ausbau finden Interessenten auf der Webseite von Vodafone. Und über deren Online-Shop sowie Mobilfunk-Shops ist das HTC Velocity 4G ab März auch exklusiv erhältlich. Es würde derzeit wohl auch nicht in den LTE-Netzen der Mitbewerber Telekom und O2 funktionieren, weil HTC und Vodafone beide intensives Finetuning an Gerät und Netz vornehmen mussten, um das Zusammenspiel zu gewährleisten.

Dabei geht es insbesondere um die Telefonie-Funktion. Denn normale Sprachtelefonate führen Besitzer des Velocity 4G nicht über das LTE-Netz, wo diese Funktion bislang noch nicht unterstützt wird. Vielmehr schalten Smartphone und Netz zum Telefonieren auf die früheren Standards zurück: Wo verfügbar auf 3G, also UMTS. Oder direkt auf 2G, also den langjährig bewährten GSM-Standard. „Circuit-Switched Fallback“ nennen Mobilfunk-Insider diese Funktion.

Für Sprachtelefonate sind die hohen Übertragungsraten des LTE-Netzes ohnehin nicht erforderlich, insofern bringt diese Lösung per se keine Nachteile. Ein Problem ergibt sich daraus aber trotzdem: Die über LTE aufgebaute Internet-Verbindung wird für die Dauer des Telefonats unterbrochen. Im Anschluss baut das Smartphone sie neu auf, was dazu führt, dass der Kunde eine neue IP-Adresse erhält. Wer vorher etwa eine gesicherte Verbindung für Online-Shopping oder Homebanking hergestellt hatte, muss dann von vorn anfangen. Problematisch ist dies insbesondere, weil auch ankommende Anrufe den beschriebenen Effekt auslösen: Weil Mutter anruft, verliert man alle eingegebenen Daten und den mühsam bestückten Warenkorb beim Online-Kauf. Da steckt noch Luft für Verbesserungen drin. Die sollen allerdings in Zukunft nachgeliefert werden: „Voice over LTE“ oder kurz VoLTE heißt eine Funktion, an der die Hersteller und Netzbetreiber derzeit arbeiten. Sie wird IP-basierte Sprachübertragung über das LTE-Netz ermöglichen, also „VoIP“-Gespräche, wie es sie heute schon per DSL & Co. gibt. Wenn VoLTE standardisiert und realisiert ist, soll es sich voraussichtlich auch per Software-Update auf dem HTC Velocity nachrüsten lassen.

Bis dahin bleibt das HTC Velocity 4G ein sehr gut ausgestattetes Android-Smartphone, das seine Stärken vor allem im mobilen Internet ausspielt. Die Punkte auf der Ausstattungsliste markieren allesamt die Speerspitze der heute erhältlichen Technik: Ein LED-beleuchtetes Display mit einer Auflösung von 430 x 960 Pixeln (Quarter-HD) und maximal 262000 Farben. Eine 8-Megapixel-Kamera, die Autofokus unterstützt und (wie etwa auch die neuesten Modelle von Apple und Sony) einen Bildsensor mit „Backside Illumination“ (BSI) verwendet. Zwei LEDs als Fotolicht. Eine 1,3-Megapixel-Frontkamera für Videochats und Eigenaufnahmen. Außerdem WLAN 11n, Bluetooth 3.0 und A-GPS samt Digitalkompass sowie ein UKW-Radioempfänger. An der Micro-USB-Buchse lässt sich auch ein Mini-HDMI-Adapter für die Bild-Weitergabe an TV-Geräte anschließen.

DIGITAL-ROOM meint: Das HTC Velocity ist eines der technisch fortschrittlichsten Smartphones, die man derzeit kaufen kann. Bislang haben HTC und Vodafone noch keine endgültigen Preise veröffentlicht – in Kombination mit einem speziellen LTE-Mobilfunkvertrag (der zwischen 60 und 90 Euro/Monat kostet) soll das Gerät aber unter 200 Euro kosten. Der Nachteil des „Circuit-Switched Fallback“ zum Telefonieren, bei dem auch eingehende Anrufe eine bestehende Internet-Verbindung unterbrechen können, ist ärgerlich, aber derzeit technisch nicht zu vermeiden. Ansonsten hätten HTC und Vodafone noch ein halbes Jahr länger mit der Markteinführung warten müssen, bis „Voice over LTE“ zur Verfügung steht. Zumindest haben Käufer die Aussicht, diese komfortablere Telefonie-Lösung später noch auf ihrem Smartphone nachrüsten zu können.

Autor: 
Hannes Rügheimer
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