Bild: ITRI
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„Was man Schwarz auf Weiß besitzt, das kann man getrost nach Hause tragen”, lautet ein Sprichwort. Tatsächlich wird bei der Arbeit wie auch zu Hause häufig etwas ausgedruckt, nur um es nicht zu vergessen, wenn man den PC ausschaltet – egal ob eine E-Mail, ein Angebot aus dem Web-Shop oder der aktuelle Kontostand. Die meisten Ausdrucke landen später im Altpapier. Kaum jemand macht sich die Mühe, auch die Rückseite des Papiers zu nutzen; löschen lassen sich bedruckte Bögen aus dem Laser- oder Tintenstrahldrucker leider auch nicht. Eine neue Art elektronisches Papier könnte die Art, wie wir derart flüchtige Inhalte drucken, ändern: i2R ist der Codename einer mehrfach bedruck- und löschbaren Folie, die in den letzten Monaten als neue Art des ePapers bekannt wurde.
i2R stammt aus dem „Industrial Technology Research Institute” (ITRI), einem staatlichen Taiwanesischen Institut, das sich auf die Erforschung neuer Materialien und Techniken für den Alltag von morgen spezialisiert hat. Neben dem wiederbedruckbaren Papier hat sich das ITRI auch schon mit biegsamen LCD-Bildschirmen und anderen Displaytechnologien einen Namen gemacht. Das ePaper i2R hat indes nichts mit elektronischen Bildschirmen wie LC-Displays im iPad oder elektronischer Tinte in E-Book-Readern zu tun. Es funktioniert passiv, kann also sein Aussehen nur mithilfe eines passenden Druckers verändern. i2R besteht aus einer Folie, auf der sogenannte cholesterische Flüssigkristalle das Umgebungslicht je nach ihrem aktuellen Zustand reflektieren oder absorbieren – und so graue oder schwarze Pixel auf dem ansonsten hellen Material erzeugen. Das Druckverfahren, um die LC-Kristalle auf der Folie auszurichten, ähnelt laut ITRI dem eines thermischen Fax-Druckers: Bei einer Temperatur ab 86 Grad Celsius lassen sich die einzelnen Flüssigkristall-Pixel schwärzen, der Drucker hat außerdem eine Art Löschkopf, der beim Druckvorgang das vorige Druckbild eliminiert.
Laut ITRI benötigt der Drucker in Betrieb nur 36 Watt Leistung, ein ePaper-Bogen soll sich bis zu 260 Mal bedrucken und dann komplett recyceln lassen. Der Druck hat eine Auflösung von bis zu 300 dpi und kann 16 Graustufen darstellen – das entspricht einer höheren Auflösung als in Book-Readern, bietet aber weniger feine Grauverläufe als im Laser- oder Offsetdruck. Ein englischsprachiges Video der Nachrichtenagentur Reuters über i2R zeigt auch Ausdrucke auf farbigen Druckbögen (siehe unten: Artikel-Links).
Die Grundlagenentwicklung des Druckverfahrens sei abgeschlossen, berichtet das ITRI. Es wurde nun an einen Taiwanesischen Industriekonzern lizenziert, der es zur Serienreife und 2012 auf den Markt bringen soll. Zu den Kosten für Drucker und das Papier gibt es noch keine Aussagen. Die ersten Vorschusslorbeeren trudeln aber bereits ein: Im Frühsommer 2011 erhielt i2R den „R&D Top 100 Award” der US-amerikanischen Chicago Tribune, im Oktober folgte der „Technologie Innovation Award” des Wall Street Journal in New York.
DIGITAL-ROOM meint: Für alltägliche Ausdrucke wäre ein solches löschbares ePaper nicht nur für Redakteure und Journalisten genial. Man greift auf einen Stapel von 50 bis 100 Blättern zurück, auf die man alltägliche E-Mails, Text-Konzepte oder Rechercheergebnisse ausdruckt, liest, an Kollegen weitergibt oder einfach auf den Zettelstapel am Schreibtisch legt. Nach Gebrauch oder beim Ausmisten des Schreibtischs landen die ausgebrauchten Blätter wieder im Papierschacht des Druckers statt in der Altpapiertonne. Allerdings muss das Ganze auch bezahlbar, sein damit sich diese Art von ePapers durchsetzt. Und um es voll und ganz als Papierersatz nutzen zu können, sollten sich auch handschriftliche Notizen „zu Papier“ bringen lassen, ohne das Blatt mit Kuli oder Bleistift zu zerstören.
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