Bild: Apple/DR
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Die einen sind enttäuscht. „Ich sehe das iPad 2 nicht in Führung liegen; vor allem im Vergleich mit Konkurrenzprodukten wie dem Motorola Xoom”, wird Jack Gold auf der T-Online-Webseite zitiert. Der Chef des Beratungsunternehmens J. Gold Associates gehört in die Gruppe der Kritiker, zu der auch Stephen Baker vom Marktforschungsunternehmen NPD Group und Technik-Blogs wie „Gizmodo”, „CruchGear” oder „Boy Genius Report” (BGR) zählen. Sie vermissen am neuen Apple-Tablet ein höher auflösendes Display, mehr Arbeitsspeicher oder den schon am ersten iPad fehlenden SD-Kartenslot. Auch ein HDMI-Anschluss für TV-Geräte, der nicht als Adapter dazugekauft werden muss, hätte ihnen gut gefallen.
Das hindert Experten wie Walt Mossberg („The Wall Street Journal”) oder Matthias Kremp (Spiegel-Online) freilich nicht daran, das Produkt positiv zu sehen. Begriffe wie „Wunderflunder” oder „Zauberbrett” (Kremp) sind da zu lesen. Im Vergleich mit dem iPad 2 wirke das Motorola Xoom zu dick aufgetragen und schwer, ließ Mossberg nach der Apple-Präsentation im Interview verlauten. Viele Rezensenten schreiben vor allem über die Software, die auf dem neuen Apple-Tablet laufen soll: eine iPad-Version des Musik-Programms Garageband für den Mac etwa, die den Beschleunigungssensor des Geräts für Anschlagdynamik nutzt – je stärker der Hobby-Drummer auf das Display trommelt, desto lauter wird das Percussion-Instrument. Oder das Videoschnitt-Programm iMovie, mit dessen Hilfe sich 720p-Aufnahmen der eingebauten Kamera mit bloßem Finger am Touchscreen bearbeiten lassen sollen. Wen interessiert da noch, dass die integrierte Videolinse wohl kaum an die Bildqualität echter Camcorder heranreichen wird.
Es ist wie meistens mit Apple-Produkten: Technik-Fans, vor allem die Feature-Fetischisten unter ihnen, finden wenig, was den Kauf zwingend machen würde. Sie stören sich am geschlossenen System, das iTunes und den App-Store zum Dreh- und Angelpunkt der Apple-Welt macht. Wer auf Optik und einfache Bedienung steht, wer am Computer lieber arbeitet als daran herumzubasteln, der ist eher vom iPad 2 zu begeistern. Zumal es gerade so viel Neues bietet, dass Besitzer der Ur-Version ihr Tablet nicht gleich verschrotten müssen – und Neukäufer genügend Anreiz verspüren zuzugreifen. Dieselbe Methode hat beim Generationswechsel vom iPhone 3G zum 3GS schon einmal bestens funktioniert.
Aber reicht das zur Fortsetzung des iPad-Booms? Marktforscher wie die von Forrester Research meinen ja. Sarah Rotman Epps prophezeit in ihrem Firmenblog für 2011 einen Marktanteil von 80 Prozent in den USA. Von den 24,1 Millionen Tablets, die in diesem Jahr über amerikanische Ladentheken und Online-Stores gehen sollen, werden mindestens 20 Millionen von Apple sein – so die Schätzung der Forrester-Analystin. Kollege Michael Gartenberg, Marktforscher bei Gartner Inc., sieht im Interview mit Bloomberg den iPad-Erfinder ebenfalls vor der Konkurrenz: „Das durchgehende Nutzungserlebnis, das Apple bietet, ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Herstellern. Die kämpfen noch immer damit, so etwas auf die Beine zu stellen.”
Was nicht heißen soll, dass Analysten grundsätzlich Recht behalten. Gerade Forrester Research hatte das erste iPad bei seiner Einführung eher zurückhaltend beurteilt. Im Januar 2010 bezeichnete ein Kollege von Sarah Rotman Epps das Tablet als „nettes Upgrade eines iPod touch”, keinesfalls handele es sich dabei um eine neue Produktkategorie. Die Forrester-Schätzungen beliefen sich damals auf zwei bis drei Millionen Exemplare im Jahr 2010. Zur Erinnerung: Alleine im letzten Quartal des Jahres verkaufte Apple 7,33 Millionen Stück. Mike Stevens von Simpson Carpenter in London verstieg sich im Mai 2010 gar zu der Aussage, die Kunden täten sich schwer, Vorteile am iPad zu erkennen. „Es wird deshalb länger dauern, bis es dieselben Wachstumsraten und eine ähnliche Marktbedeutung erlangt wie das iPhone”. Exakt das Gegenteil war der Fall.
Doch es gibt auch Beispiele für allzu euphorische Prognosen. Die Hamburger Statista GmbH ging in einer Studie vom Mai 2010 davon aus, dass iPad-Besitzer im Schnitt 6 Euro pro Monat für elektronische Zeitungen oder Bücher auf ihrem Gerät ausgeben würden. Mit 97 Prozent in der Kernzielgruppe sei das komfortable Lesen von E-Books der wichtigste Kaufgrund für ein Apple-Tablet. Software-Apps (76%) oder Spiele (41%) landeten in der Umfrage abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Dass es sich eher andersherum verhält, und die Verlage froh sein müssen, wenn ein paar Tausend Leser ihre elektronischen Publikationen abonnieren, konnten die Branchen-Auguren offenbar nicht vorhersehen.
DIGITAL-ROOM meint: Ob das iPad 2 nun Erfolg hat oder nicht, einen Rekord des Vorgängers dürfte auch das neue Modell halten: Zu keinem anderen Elektronik-Produkt werden mehr Prognosen angestellt, Umfragen abgehalten und Beurteilungen geschrieben wie zum Tablet-Computer von Apple. Die Treffgenauigkeit dürfte dabei ähnlich groß sein wie an der Börse oder vor Bundestagswahlen – durch die bloße Bandbreite an Einschätzungen findet sich am Ende immer einer, der richtig gelegen hat.
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