Bild: National Semiconductor
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Beiträge über das iPad werden auf DIGITAL-ROOM besonders gerne und aufmerksam gelesen. Aber die Resonanz auf den Artikel zum „Net Module Display” von Philips (siehe Zusatz-Info unten) hat selbst uns überrascht. Die Frage, ob Philips tatsächlich zehn Jahre vor Apple das Tablet erfunden hat, bewegt Leser und Branchen-Insider gleichermaßen.
So erreichten uns Zuschriften, dass Apple bereits 1993 seinen Personal Digital Assistant (PDA) namens „Newton” vorgestellt habe. Zeitgleich gab es in den USA den EO Communicator von AT&T, der ebenfalls mit einem Stift bedient wurde und sogar die Möglichkeit zur drahtlosen Datenübertragung besaß. Die ehemalige PR-Agentur von National Semiconductor machte uns darauf aufmerksam, dass der Chip-Hersteller bereits auf der CeBIT 2000 sein Konzept „WebPad” präsentierte, ein Tablet mit Stiftbedienung (Abbildung oben). Anders als die vorgenannten PDAs sollte es ein Farbdisplay haben und damit das Surfen im Internet mit voller Pracht erlauben. Ähnliche Prototypen und Konzeptstudien gab es auf der CeBIT 2001 auch von Ascom („@Pad”), 3Com („Audrey”) oder Siemens („SIMPad”).
Die damaligen Lösungen hatten nur eine Schwachstelle: ihr Arbeitstempo. Die Funkverbindung, meist im DECT-Standard schnurloser Telefone, war so langsam, dass an Audio- oder gar Videostreaming nicht zu denken war; selbst wenn es schon ausreichend schnelle DSL-Zugänge in den Haushalten gegeben hätte. Träge Prozessoren wie der Intel StrongARM mit 206 MHz und 16 Megabyte Arbeitsspeicher bremsten das Surf-Erlebnis zusätzlich aus. So urteilte das Computermagazin CHIP im Sommer 2001 über das „T-Sinus Pad” der Deutschen Telekom: „unausgereift und teuer”. Immerhin kostete das Tablet samt Funkmodul und Basisstation den stolzen Preis von 3000 D-Mark (1533 Euro).
Niemand weiß, ob es Philips mit seinem Net Module Display besser ergangen wäre. Die Möglichkeit besteht zumindest. Der geplante Transmeta-Chip Crusoe TM3400 war deutlich leistungsfähiger als alle bis dato verwendeten Prozessoren (400 MHz). Und WLAN im Standard 802.11b hätte die drahtlosen DECT-Verbindungen um ein Vielfaches überflügelt. So gesehen war Philips näher dran am multimedialen Tablet von heute, das nicht nur zum Surfen und E-Mail-Schreiben dient, sondern auch der Unterhaltung. Welcher Hersteller nun der erste war, ist Definitionssache. Denn die Idee zu solch einem Gerät hatten andere schon viel früher. Sogar Apple selbst, wie das Bookmark-Portal hbbig.com auf unsere Nachricht hin twitterte: Ein YouTube-Video zeigt Konzeptstudien des Unternehmens von 1987, die das Internet, Tablet-Computer und sogar die Sprachsteuerung „Siri” im aktuellen iPhone 4S vorwegnehmen.
So richtig erfunden hat freilich auch Steve Jobs das iPad nicht. Es geht – wie vieles bei Apple – auf Forschungen des US-Unternehmens Xerox zurück. Dort entwickelte man bereits 1968 die Idee für einen Tablet-PC, damals noch mit Tastatur. Codename: „Dynabook”. Im selben Jahr beschrieb der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke ein „Newspad” im Roman „2001 – Odyssee im Weltraum”, der nach dem Drehbuch zum gleichnamigen Film von Stanley Kubrick entstand. In dem Hollywood-Klassiker von 1968 sind denn auch iPad-ähnliche Tablets an Bord der Raumschiffe zu sehen. Kunststück – als Künstler mussten sich Clarke und Kubrick ja keine Gedanken über deren technische Umsetzung machen.