Bild: D&M
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Egal ob Airplay, DLNA, Webradio oder Bluetooth – der Trend zur medialen Vernetzung ist in keinem Bereich so weit entwickelt wie beim Musik hören. Und nach den klassischen HiFi- und Surround-Komponenten erreicht er jetzt auch den ehemaligen Radiorecorder. Boston Acoustics, Denon und Marantz haben auf der High End 2012 drei neue Serien fürs vernetzte Musikhören mit kompakten Komplettgeräten vorgestellt: Boston Music Center (oben Mitte), Denon Cocoon (rechts) und Marantz Consolette (links). Dabei greifen die drei Schwester-Marken des D&M-Konzerns auf ähnliche technische Grundlagen zurück. Die daraus entstandenen Geräte sind dennoch sehr unterschiedlich.
Boston Music Center: preiswerte Bluetooth- und Netzwerkboxen
Mit dem MC 300 für knapp 400 Euro bietet Boston Acoustics ab Juli 2012 kein Netzwerkgerät im klassischen Sinne, sondern einen Dock-Lautsprecher für iPod und iPhone, der auch über einen eingebauten Radiotuner mit DAB+-Empfangsteil verfügt. Außerdem versteht sich das MC 300 auf die Bluetooth-Musikübertragung und gibt so auch drahtlos Musik vom iPhone, iPad und von Smartphones oder Tablets mit anderen Betriebssystemen wie Android oder Windows Phone 7 wieder. Das MC 300 ist obendrein erweiterbar: Der passende Funklautsprecher MC PlusOne (300 Euro) kann Musik vom MC 300 über eine proprietäre Funkübertragung im Nebenraum wiedergeben. Auf diese Weise lässt sich von einem MC 300 Musik an bis zu fünf solcher Erweiterungsboxen schicken. Mit dem MC PlusOne liefert Boston auch einen USB-Funkadapter, der die Ergänzungsbox zur drahtlosen PC-Soundlösung macht.
Daneben hat Boston für August 2012 einen Airplay- und DLNA-Netzwerklautsprecher in ähnlicher Bauform namens MC 200Air für knapp 350 Euro angekündigt. Der lässt sich, abgesehen von einem AUX-Klinkeneingang, in erster Linie per WLAN oder LAN-Kabel aus dem lokalen Netzwerk mit Musik füttern. Das klappt wahlweise per Airplay-Musikstreaming von iDevices und aus iTunes am Computer oder per DLNA-Medienabruf von einem Netzwerkspeicher oder Computer. Letzteres lässt sich am einfachsten vom Computer aus oder mit einer DLNA-Controller-App auf dem Smartphone steuern. Passende Apps wie etwas "Plugplayer" auf dem iPhone oder "Allshare" auf Android-Smartphones von Samsung verteilen Musik von jedem verfügbaren DLNA-Server im Heimnetz an jedes passende Wiedergabegerät, den so genannten DLNA-Renderer. Für die Wiedergabesteuerung am MC 200Air sind also externe Geräte zuständig, eine Fernbedienung ist dennoch dabei, mit der sich beispielsweise der AUX-Eingang aktivieren oder die Lautstärke regeln lässt.
Denon Cocoon: Docklautsprecher mit Airplay, DLNA & Co.
Denon Cocoon erinnert optisch tatsächlich an die verpuppte Raupe Nimmersatt – zumindest in seiner weissen Variante. Doch statt Schmetterlingsflügeln soll sich aus der Netzwerk-Box feiner Klang von allen möglichen Quellen entfalten. Airplay und den DLNA-Musikabruf beherrschen die Cocoons ähnlich wie das Boston MC 200Air. Außerdem haben sie einen iPod-/iPad-/iPhone-Dockanschluss für die lokale Musikwiedergabe von diesen Geräten. Und sie beherrschen laut Denon alle Netzwerkdienste, die auch aus den AV-Receivern des Herstellers mit LAN-Anschluss bekannt sind: Webradio, Last.fm und zukünftig wohl auch wieder der eine oder andere Streaming-Musikdienst. Die Steuerung übernimmt, auch mangels eines eigenen Displays, die Denon-Remote-App auf dem iPhone. Die soll übrigens demnächst auch für Android-Geräte verfügbar sein.
Cocoon kommt laut Denon im August in Schwarz und Weiss auf den Markt – und in zwei Größen. Die normale Cocoon-Variante hat in etwa die Größe eines zusammengerollten Sofakissens und ist für den stationären Einsatz am Stromnetz konzipiert. Die in allen Richtungen etwas kleinere Version Cocoon portable hat einen eingebauten Akku und soll so auch mobil musizieren – außerhalb des heimischen WLAN allerdings nur als normaler, per Fernbedienung oder am iDevice steuerbarer Dock-Lautsprecher. Beide Versionen kosten laut Denon knapp 600 Euro, wenn sie im August auf den Markt kommen. Eine speziellen Cocoon-Webseite von Denon soll die Wartezeit verkürzen, indem sie immer wieder neue Details über die schicken Boxen verrät (siehe Artikel-Links unten).
Marantz Consolette: Netzwerk-Docklautsprecher mit Klang-Ambitionen
Funktional ähnelt die Consolette von Marantz ihrer Denon-Schwester Cocoon – sie hat ebenfalls ein Apple-Dock an Bord und empfängt Musik via Airplay, DLNA und die gleichen Onlinedienste. Die Unterscheidungsmerkmale der Consolette sind eher haptischer und klanglicher Natur. Sie bietet Marantz-typische Designelemente wie ein massives Gyro-Rad zur Lautstärke-Regelung und eine gebürstete Aluminiumfront. Klanglich sollen vor allem zwei "Balanced Mode Radiator"-Hochtöner für ein räumlich breites und absolut neutrales Klangbild mit High-End-Anspruch sorgen. Für den klanglichen Feinschliff der Consolette zeichnet außerdem Marantz-Klangikone Ken Ishiwata verantwortlich. Mit seinem Faible für Musik, Akustik und HiFi-Technik verhilft der Markenbotschafter hochwertigen Marantz-Komponenten seit über 30 Jahren zu ihrem charakteristischen Sound. Die Consolette dürfte allerdings das erste kompakte Netzwerkgerät mit Ken-Ishiwata-Klangtuning werden. Der erste Klangcheck eines Prototypen auf der High End 2012 in München lies jedoch aufhorchen: Die Consolette dürfte tatsächlich auch klanglich ein großer Wurf werden. Ab Spätsommer ist sie zum Listenpreis von fast 1000 Euro zu haben.
DIGITAL-ROOM meint: In den Herstellerkatalogen macht sich der Trend zur Musik-Vernetzung breit – in AV-Receivern gehören Airplay. DLNA-Abruf oder Webradio mittlerweile bis in die untere Mittelklasse zum guten Ton. Doch erst so radikal auf Vernetzung getrimmte Geräten wie Music Center, Cocoon oder Consolette sind echte Gradmesser dafür, ob die Technologien inzwischen auch "bei den Leuten" sind. Denn während man einen AV-Receiver gut auch offline nutzen kann, bringt ein MC 200Air oder eine Consolette nur bei voller Integration ins heimische Netzwerk echten Spass.
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