Bild: O2
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Der blitzschnelle Nachfolger des mobilen Internet-Zugangs UMTS macht sich in Deutschland startklar. LTE steht für „Long Term Evolution”, was übersetzt soviel heißt wie „langfristige Entwicklung”. Das war LTE nun wirklich. Die Telekommunikationsausrüster haben die Technik für Funk-Internetverbindungen mit DSL-Geschwindigkeit seit Jahren in der Schublade. Doch erst im Mai 2010 wurden die für das neue Netz notwendigen Funkfrequenzen von der Bundesnetzagentur versteigert. Im Moment sind die Telekom, O2 und Vodafone dabei, ihre LTE-Netze zu installieren und erste Kunden-Tests durchzuführen.
Am 16. Dezember etwa startete O2 einen großen Test mit mehreren hundert Kunden in München, Halle, Ebersberg östlich von München sowie in Teutschenthal bei Halle. Bei der Inbetriebnahme der Testinstallationen zeigten verschiedene Unternehmen Geräte für den LTE-Empfang und demonstrierten die Möglichkeiten des neuen schnellen Funknetzes – etwa die Live-Videoübertragung in HDTV-Qualität oder Videokonferenzen mit Teilnehmern verschiedener Funknetz-Zellen. In den ersten Tests werden Privatleute mit LTE-Hardware ausgestattet, zum Beispiel mit LTE-fähigen Fritz-Box-Routern von AVM und LTE-USB-Sticks von Huawei. Mit dieser Ausrüstung kann man via LTE am Computer genauso surfen wie per UMTS-Stick oder via WLAN und DSL-Router – im Zweifelsfall nur schneller. Denn mit LTE lassen sich laut dem beteiligten Netzausstatter Nokia Siemens Networks schon heute Übertragungsraten von bis zu bis 100 Mbit/s erzielen. Bisher war in den schnellsten mobilen Datennetzen nicht einmal die Hälfte dieser Bandbreite möglich.
LTE wird vorderhand in zwei Frequenzbereichen eingeführt: um 800 Megahertz und um 2,6 Gigahertz. Die niedereren Frequenzen liegen in einem Bereich, der bislang für die analoge TV-Ausstrahlung genutzt wurde. Durch die Digitalisierung wurde er frei, da DVB-T weniger Bandbbreite benötigt. Deshalb sprechen Fachleute von der so genannten „Digitalen Dividende” – den Frequenzen, die frei wurden, als in Deutschland der Fernsehempfang per Antenne digitalisiert wurde. TV-Experten befürchten allerdings, dass der neue Datenfunk die Übertragung auf den benachbarten DVB-T-Frequenzen behindern könnte.
Ziel der LTE-Funknetze ist es vor allem, ländliche Gebiete, in denen bislang keine schnellen DSL-Anschlüsse vorhanden sind, mit schnellem Internet zu versorgen. O2 will deshalb ab Anfang 2011 zuerst nicht etwa Berlin oder Hamburg, sondern Orte wie Klein Wazleben oder Alsleben in Sachsen-Anhalt mit LTE-Netzen versorgen. Vodafone und die Telekom sind ebenfalls dabei, ihre Netze auf LTE aufzurüsten. Auf den Internetseiten der Anbieter können sich Interessenten bereits informieren, ob ihr Wohnort in nächster Zeit mit LTE-Datenfunk versorgt werden soll (siehe „Artikel-Links” unten auf dieser Seite). Der Ausbau erfolgt gemäß einer Breitband-Initiative der Bundesregierung, in der die Politik die Entwicklung schneller Internetanschlüsse in ganz Deutschland festgeschreiben hat.
DIGITAL-ROOM meint: LTE wird in den nächsten Jahren kaum einen DSL-Anschluss überflüssig machen. Als Alternative zum Internet übers Telefonkabel in ländlichen Gebieten dürfte die Technik aber gute Erfolgschancen haben. Denn auf dem platten Land ist es meist billiger Funkmasten aufzustellen, als für jedes noch so kleine Dorf die notwendige DSL-Infrastruktur zu installieren. In den Tests muss LTE aber auch nachweisen, dass die Technik keine benachbarten Funkbereiche wie etwa DVB-T stören kann.
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