Bild: Philips
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Manch ein Bildschirmspezialist winkt beim Kürzel OLED nur noch müde ab. Die Light-Emitting Diodes auf organischer Basis geistern seit mehr als einem Jahrzehnt durch die Branche – als das nächste große Ding im Fernseher- und Monitorgeschäft. Fakt ist: Bislang finden sich OLED-Anzeigen vor allem in Autoradios, Rasierern oder Handys. Prominentester Vertreter ist derzeit Samsung mit seinen Amoled-Bildschirmen (Active-matrix organic light-emitting diode).
2008 brachte Sony zwar den ersten OLED-Fernseher namens XEL-1 auf den Markt. Mit einer Bilddiagonale von 28 Zentimetern, einer Auflösung von 960 x 540 Pixel und einem Preis von 4.300 Euro war der Mini-TV aber ganz klar als Technologieträger positioniert. Trotz des hohen Preises soll Sony mit dem Produkt kein Geld verdient haben. Im Laufe des zweiten Quartals 2011 bieten die Japaner mit dem BVM-E 170 (43,2 Zentimeter, 15.400 Euro netto) und dem BVM-E 250 (63,5 Zentimeter, 25.000 Euro netto) immerhin wieder zwei Profimonitore auf OLED-Basis an. LG Electronics hat seinen für Frühjahr 2011 angekündigten 81-Zentimeter-TV mit organischen Leuchtdioden gerade aufs nächste Jahr verschoben. Dafür soll er deutlich billiger als die ursprünglich angepeilten 6000 Euro werden – eine neue Fabrik macht’s möglich.
Dennoch: Vom TV-Massenmarkt ist OLED weit entfernt. Also wieder eine hoffnungsvolle Technologie, die scheitert? Als Display in Fernsehgeräten – eventuell. Aber im Lichtmarkt drehen die organischen Leuchtdioden gerade richtig auf. Der Grund: Glühlampen und Neonröhren sind klobig, bei klassischen Leuchtdioden handelt es sich um winzige Punktstrahler, die einen Wohnraum nur mit technischem Aufwand ausleuchten können. OLEDs hingegen sind Flächenstrahler. In einigen Jahren lassen sich mit ihnen sogar selbstleuchtende, nur wenige Millimeter dicke Vorhänge oder Wandbeläge realisieren.
Im Augenblick reicht die Helligkeit von OLED-Lampen allerdings nur für Deko-Elemente. Die derzeit lieferbaren Täfelchen leisten etwa 75 Lumen, eine klassische 25-Watt-Glühlampe bringt es auf 220 Lumen. Direkt lassen sich die Zahlen nicht vergleichen: Als Flächenstrahler erleuchten OLEDs ohne Streuverluste den gewünschten Sektor, während die Glühlampe ein gutes Drittel ihrer Helligkeit durch ihre Rundumabstrahlung verschleudert. Subjektiv wirken OLEDs schon jetzt heller, als die Daten vermuten lassen. Verbesserungsfähig ist zudem die Lebensdauer: Osram gibt 5000 Stunden an, Philips für die neueste OLED-Generation 15.000 Stunden – das ist zwar deutlich mehr als bei der guten alten Glühlampe, doch LEDs bringen es heute schon auf 50.000 Stunden
Doch die Technik steht erst am Anfang. Auf der Mailänder Messe „Euroluce“ vom 12. bis 17. April 2011 dürfte bereits die nächste Generation Leuchtplättchen an den Start gehen: heller, langlebiger, billiger. Ironie des Schicksals: Die weltweit erste Prototypenfertigung für dieses Leuchtmittel steht in der ehemaligen Bildröhrenfabrik des Philips-Konzerns in Aachen. Unterstützt von der EU bereiten sich die Niederländer und ihr deutscher Mitbewerber Osram auf die Serienproduktion vor. Kleinserien der Leuchtelemente gibt es bereits zu kaufen – die ein paar Quadratzentimeter messenden Täfelchen sind mit Preisen von 80 bis 250 Euro aber kein Schnäppchen. Aus den Lichtkacheln gebaute Leuchten werden als Designobjekte in Handarbeit gefertigt und für mehrere tausend Euro verkauft.
Aber sie zeigen schon klar, wohin die Reise geht: Die Selbstleuchter lassen sich perfekt in Möbel integrieren. Sogar OLED-Fensterfronten erscheinen machbar, die tagsüber das Sonnenlicht durchlassen, abends aber selbst Licht spenden.
Osram will sich bis Mitte 2011 aus der Pilotanlage zurückziehen – dann soll ein eigenes Werk in Regensburg die Serienfertigung übernehmen. Mehr als 50 Millionen Euro will die Siemens-Tochter über die nächsten drei Jahre in eine OLED-Pilotproduktionslinie sowie die anwendungsbezogene Entwicklung klassischer LEDs stecken. Im Gegenzug baut Philips die Fertigung in Aachen aus. Interessierten Lichtgestaltern bieten die Niederländer im Aachener Werk kostenlose Seminare zum Thema OLED an. Die nächsten finden am 6. April und 26. Mai 2011 statt. Auch das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden kann kleine Mengen an OLED-Leuchtelementen auflegen. Als Hersteller sehen sich die Forscher aber nicht – ihr Hauptjob ist es, anderen Firmen bei der Vorbereitung einer eigenen Produktion zu helfen.
DIGITAL ROOM meint: Als neuartige Lichtquelle hat OLED auf jeden Fall Potential. Im TV-Bereich ist die Zukunft organischer Leuchtdioden jedoch ungewiss. Einerseits jammern die Hersteller über niedrige Preise – bessere Bildschirme wären ein Argument, sie wieder anzuheben. Andererseits: Aktuelle LCD- und Plasma-TVs von Markenherstellern sind den meisten Kunden gut genug. Möglich wäre immerhin der Einsatz als Hintergrundbeleuchtung in Flüssigkristall-Bildschirmen (LCD) – allerdings nur an Stelle der im Rahmen montierten Typen („Edge LED“). Für die punktuelle Beleuchtung („Local Dimming“) in Highend-LCD-TVs eignen sich Flächenstrahler aus Prinzip nicht. Und bevor die ersten Gerüchte aufkommen: Die OLEDs, die Philips in der ehemaligen Bildröhrenfabrik herstellt, taugen wirklich nur zur Beleuchtung, nicht als Videodisplay.
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