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(6) 10.01.2012

OLED, LED & Co: Die TV-Innovationen der CES

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Auf der CES 2012 in Las Vegas zeigen LG, Samsung und Sony innovative TV-Technologien. Was steckt hinter den neuen Bildschirmen?OLED-TV mit 55 Zoll Diagonale von LGBild: LG

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas – kurz: CES 2012 – öffnet heute ihre Pforten für die Öffentlichkeit, doch die Neuheiten der Messe wurden in den vergangenen Tagen bereits vorgestellt. Ein Trend-Thema der Leistungsschau sind wieder einmal innovative TV-Displaytechnologien. Gleich drei Hersteller zeigen gleichzeitig in derselben Bildschirmgröße von 55 Zoll (140 Zentimeter), wie sie sich die Zukunft des Fernsehens vorstellen.

LG: Organische Leuchtdioden in vier Farben
Bereits Anfang Januar hatte der koreanische Hersteller LG seinen OLED-TV-Prototypen per Pressemitteilung angekündigt, auf der CES wird der 140-Zentimeter-TV nun gezeigt. Besonderheit der Organic Light Emitting Diodes (OLED): Anders als LCD-Bildschirme, deren Flüssigkristall-Panel von einer dahinter montierten Lichtquelle erhellt wird (siehe „Fernseher mit LED-Backlight” unten auf dieser Seite), leuchten die Bildpunkte des OLED-Displays selbst.

Die Technik ist nicht neu, nur Fernseher mit über einem Meter Bilddiagonale gab es bislang nicht. OLED-Displays werden normalerweise in Digitalkameras oder Smartphone eingebaut. Je größer die Bilddiagonale, desto komplizierter und teurer sei die Fertigung der Displays mit organischen Leuchtdioden, sagen Brancheninsider. Das LG-Ausstellungsstück besticht durch einen ultradünnen Rahmen sowie eine Pixelstruktur, die für jeden Bildpunkt vier Subpixel in den Farben Rot, Grün, Blau und Weiß vorsieht. Damit soll der OLED-TV besonders brillante und kontrastreiche Bilder darstellen. Laut Hersteller hat er eine 1000 mal schnellere Reaktionszeit als herkömmliche LCD-/LED-TVs und damit eine wesentlich schärfere Bewegungsdarstellung. Auch die weiteren technischen Daten des flachen Technologieträgers beeindrucken: Er ist gerade mal vier Millimeter dick und wiegt laut Hersteller nur 7,5 Kilogramm. LG will seinen OLED-TV laut Insidern in den nächsten sechs bis neun Monaten einführen, offizielle Termine und Preise gab der Hersteller aber nicht bekannt.

Samsung: Super-OLED-TV im Großformat
Samsung will seinen 140-Zentimeter-TV mit OLED-Anzeige sogar offiziell im Laufe des Jahres auf den Markt bringen. Der Hersteller setzt auf die hauseigene „Super OLED”-Technologie, deren Prädikat „super” nicht weiter kommentiert wird – mal abgesehen von der Tatsache, dass Samsung eigenen Angaben zufolge super viele, nämlich 90 Prozent aller weltweit eingesetzten OLED-Displays herstellt. Samsung-Smartphones wie das erfolgreiche Galaxy S2 sowie verschiedene Digitalkameras setzen auf die verwandte „Super AMOLED”-Displaytechnologie. Der Samsung-TV hat selbstleuchtende OLED-Pixel in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau – das zusätzliche, weiß leuchtende Subpixel des LG-Prototypen fehlt. Die Vorteile der Technik sind laut Samsung mit denen des Konkurrenten vergleichbar: Leichter, dünner, kontrastreicher und schneller als konventionelle Flat-TVs soll auch das Samsung-Modell sein. Einen Preis für den OLED-Fernseher nannte Samsung auf der CES nicht, Insider munkeln aber von einem niederen fünfstelligen Dollar-Betrag.

Sony: Großbild-TV mit LED-Pixeln
Sony war vor einigen Jahren der Pionier in Sachen OLED-TV: 2008 brachten die Japaner mit dem XEL1 das erste Seriengerät auf den Markt. Es ist bis heute erhältlich, Amazon verlangt dafür im Augenblick knapp 3000 Euro. Ein Sony-Sprecher verneinte gegenüber DIGITAL-ROOM jedoch Ambitionen, demnächst auch größere OLED-TVs auf den Markt bringen zu wollen. Man entwickle die Technologie zwar weiter meldet Sony, doch zur CES 2012 stellt das Unternehmen den möglichst großen OLED-Modellen der Konkurrenz einen mit 140-Zentimetern Diagonale möglichst kleinen LED-Bildschirm gegenüber. Bei der sogenannten „Crystal LED”-Technik setzt sich das Full-HD-Bild aus vielen herkömmlichen Halbleiter-Leuchtdioden zusammen. Die Technik ist ebenso wenig neu wie OLED, kommt bislang aber nur in supergroßen Anzeigen zum Einsatz: Auf Stadion-Videowänden oder riesigen Leuchtreklamen besteht das Bild in der Regel aus selbstleuchtenden Dioden für jeden einzelnen Bildpunkt. Jetzt zeigt Sony erstmals so ein Display im Wohnzimmerformat. Der TV hat für jeden Pixel drei mikroskopisch kleine LEDs in den Grundfarben Rot, Grün und Blau, die je nach Bildinhalt mehr oder weniger hell leuchten – das Full-HD-Panel besteht also aus gut sechs Millionen einzelnen Leuchtdioden.

Crystal LED liefert nach ersten Erfahrungsberichten von der CES im Ergebnis ähnlich gute Bilder wie die OLED-Ausstellungsstücke: Die Technik bietet einen größeren Farbraum, kürzere Reaktionszeiten und geringeren Stromverbrauch als Geräte mit LCD-Panel. Verschiedene Tester berichten obendrein von einem extrem breiten seitlichen Betrachtungswinkel, in dem der TV das Bild ohne Farbverfälschungen zeigen soll. Die technischen Herausforderungen für die Herstellung der Crystal-LED-Bildschirme sind indes genau entgegengesetzt zur OLED-Technologie. Während letztere immer aufwändiger und teurer wird, je größer der Bildschirm sein soll, eignet sich LED-Technik besonders gut für Riesen-Bildschirme. „Große Flat-TVs dürften sich mit Crystal LED künftig deutlich billiger realisieren lassen als mit OLED-Panels” umreißt Sony-Sprecher Gerrit Gericke die Berufung der Technik. Sony nennt aber keine konkreten Pläne, ob und wann es marktreife Geräte geben soll.

DIGITAL-ROOM meint: Alle Jahre wieder zaubern die Hersteller auf der CES innovative TV-Technologien aus dem Hut, zeigen den Größten einer Gattung oder eben den Kleinsten einer anderen. Laser-TV, SED oder FED – viele spannende Technologien sind so schon aufgetaucht und wieder verschwunden. Sollte es aber tatsächlich möglich sein, RGB-Leuchtdioden im Full-HD-Format wie bei Crystal-LCD von Sony auf Schirme in Wohnzimmergröße zusammenzupressen, dann könnte der seit Jahren herumdümpelnden OLED-Technik ernsthaft Konkurrenz erwachsen. Voraussetzung für beide Technologien ist aber, dass sie auf Dauer in einen bezahlbaren Preisrahmen kommen – was etwa den bisherigen, kompakten OLED-TVs noch längst nicht gelungen ist. Auf mittlere Sicht dürfte deshalb weder die eine noch die andere Technik den Massenmarkt erobern – LCD-TVs mit LED-Beleuchtung sind dafür mittlerweile einfach zu günstig.

Autor: 
Reinhard Otter
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