Bild: Panasonic
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Jeder Digitalfotograf weiß es: Gegen den Detailreichtum einer 15-Megapixel-Kamera sind auch die zwei Megapixel moderner Full-HD-Fernseher mickrig. Selbstverständlich erscheinen die Bilder auf gängigen Flach-TVs mit ihren 1920 mal 1080 Pixeln schon deutlich schärfer als weiland am Röhrenfernseher. Dennoch: Ein Gutteil der Feinheiten bleibt auf dem TV verborgen.
Die Lösung des Problems ist naheliegend und theoretisch auch verfügbar: 4K-Bildschirme oder -Projektoren. Die ersten Digitalkinos rüsten bereits auf die Technik um, das japanische Staatsfernsehen NHK erprobt zusammen mit den großen Elektronikherstellern des Landes die Technik seit Jahrzehnten – angefangen von der Kamera bis hin zum passenden Display. 4K meint 4096 mal 2160 Bildpunkte, also knapp neun Megapixel – viermal mehr als auf einem 1080p-Fernseher. Wer mag, kann etwa bei Panasonic schon zuschlagen: Für 500.000 Euro liefern die Japaner den TH-152 UX 1 (3,86 Meter Diagonale). Etwas günstiger ist der 4K-LCD-Monitor des Anbieters TVLogic – für den LUM-560 W (1,42 Meter) sind nur rund 47.000 Euro netto fällig.
Ganz klar: Das sind Profigeräte zu Profipreisen. Dennoch spekulierte der US-amerikanische Branchendienst DisplaySearch im März darüber, dass schon Ende 2011 die ersten 4K-Schirme im TV-Markt auftauchen werden. DIGITAL-ROOM hat bei den Fernseheranbietern nachgefragt. Der Leiter des technischen Marketings bei Philips, Danny Tack: „Wir als Hersteller bedauern, dass dem Endkunden außer Digitalkamera und PC keine 4K-Quellen zur Verfügung stehen. Unser Pixel-plus-Algorithmus könnte 2K-Bilder auf 4K-Auflösung hieven. Mit dem Ergebnis sind wir aber zur Zeit nicht zufrieden, der sichtbare Unterschied zwischen 2K und 4K fällt gering aus. Aus dieser Erfahrung betrachten wir auch die Ankündigung anderer Hersteller, deren Produkte 2K auf 4K skalieren wollen, eher als Marketing. Sinnvoll erscheinen uns allerdings 4K-Bildschirme als Basis brillenloser 3D-Displays.”
Für die zweite naheliegende Anwendung, 3D-TVs mit Polarisationsfolie und -brille, hält Tack 4K-Bildschirme zumindest momentan für keine gute Wahl. Die Polarisationsfolie ermöglicht preiswerte 3D-Brillen, mit den bisher verfügbaren 2K-Panels sinkt im 3D-Betrieb die Schärfe aber um die Hälfte auf 1920 mal 540 Pixel. Tack: „Ein 4K-Bildschirm mit Polarizerfolie kann für 3D zwar Full-HD-Auflösung liefern. Der vertikale Betrachtungswinkel wird dabei aber stark eingeschränkt. Zur Zeit arbeiten TV- und Bildschirmhersteller daran, einen optimalen Kompromiss aus sichtbarer Auflösung und Betrachtungswinkel zu finden.” Da wohl kaum jemand einen ganzen Filmabend lang starr auf dem Sofa sitzen möchte, scheint dies auch sinnvoll. Heißt aber: Unter praxistauglichen Bedingungen wird es im 3D-Betrieb mit Polarizertechnik so schnell kein Full-HD geben.
Tack bezweifelt auch, dass die Konsumenten die Kosten für 4K akzeptieren würden. „Die Mindestbildschirmgröße für einen sinnvollen 4K-Einsatz sind 50 Zoll (1,27 Meter). Da sprechen wir von einem Aufpreis von mindestens 1000 Euro.” Auch andere Hersteller winken ab. Martin Winkler, der kaufmännische Leiter in Sonys Endkundensparte, erklärt: „Sony hat auf der CES bereits ein entsprechendes TV-Gerät gezeigt. Als kommerzielles Produkt für den TV-Gerätemarkt sehen wir die Technik derzeit jedoch nicht. Wenn sich die Nachfrage in Richtung 4K-Technologie verändert, werden wir selbstverständlich reagieren.”
Markus Wagenseil, bei Panasonic Europa zuständig fürs technische Marketing, sieht über die bereits erwähnten Profibildschirme des Hauses hinaus den Bedarf der Konsumenten durch fehlende Inhalte begrenzt. „Bis für den Endkunden Filme und TV-Serien in 4K greifbar sind, ist es noch ein langer Weg.” Er bezweifelt auch, ob die Kombination von 4K-Bildschirm mit Polarizerfolie und Polfilterbrille dem Kunden wirklich scharfe und günstige 3D-Bilder bringt: „Dazu müsste erst noch bewiesen werden, dass dieser sogenannte Retarder-Film auch in der Masse in dieser Auflösung produziert werden kann. Zudem werden die Folienfilter nach Quadratzentimeter verkauft – je größer der Bildschirm, desto teurer wird auch die Folie. 4K-Bildschirme wird es zuerst mit großen Diagonalen geben – der Preisvorteil der Polarizertechnik würde dadurch wahrscheinlich aufgefressen.” Hinzu komme, so Wagenseil, eine aufwändige Signalverarbeitung, die Prozessoren mit viermal mehr Bandbreite benötigt als heute, und damit neben einem Kostenfaktor zur qualitativen Hürde avanciert. Auch andere Nachteile der Polarizertechnik bleiben seiner Meinung nach mit 4K-Panels bestehen: „Durch das ʻAusblenden’ jeder zweiten Zeile sind eigentlich geschwungene Objektkanten als unschöne Sägezahnmuster zu sehen.”
DIGITAL ROOM meint: Die Superschärfe von 4K ist derzeit nur für Digitalfotografen und einige PC-Anwendungen interessant. Wenn es bei einem Aufpreis von nicht mehr als 1000 Euro bleibt, sollte es dennoch möglich sein, diese Technik als Nischenprodukt in der Oberklasse zu etablieren. Das Mehr an Details ist schließlich selbsterklärend. Das sollte auch im Interesse der Hersteller sein – Full-HD setzen die Kunden inzwischen voraus, ob sich 3D durchsetzt, bleibt abzuwarten. Da wäre 4K doch ein willkommenes neues Verkaufsargument.
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