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(6) 28.02.2012

Sony macht mobil – ohne Ericsson

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Nach der Trennung von Ericsson präsentiert Sony auf dem Mobile World Congress einige Innovationen – und optimistische Blicke in die Zukunft.Xperia U (links) und Xperia S (rechts) gehören zu den ersten Sony-Smartphones ohne Ex-Partner EricssonBild: Sony

Er wolle, so erklärte der neue Sony-Chef Kazuo Hirai, der Mobil-Sparte von Sony neues Leben einhauchen. Vor einigen Monaten hatte der Unterhaltungselektronik-Konzern angekündigt, die bisherige Zusammenarbeit mit Ericsson im Mobiltelefon-Markt zu beenden. Ericsson konzentriere sich künftig ganz auf die Netztechnik, Sony auf Endgeräte. Der Auftritt auf der wichtigen Mobilfunkmesse „Mobile World Congress“ in Barcelona war mit Spannung erwartet worden, weil Sony hier erste Smartphone-Modelle präsentierte, die künftig wieder ganz unter der eigenen Marke in den Handel kommen. DIGITAL-ROOM hat sich die Neuheiten vor Ort schon einmal angesehen.

„Play, Watch, Listen, Create“ lautet das Motto der Handy-Abteilung „Sony Mobile“. Das klingt nicht grundsätzlich neu, zeigt aber, dass die Japaner künftig noch stärker den Schulterschluss zu benachbarten Konzern-Abteilungen suchen – mit Bravia-Fernsehern, Playstation Vita & Co. hat man schließlich jede Menge netzfähige Geräte im Angebot. Auch eine intensivere Verknüpfung der Smartphones mit den Tablets aus gleichem Hause sei geplant. Und für alle seine mobilen Kommunikationsgeräte gab Sony ein klares Bekenntnis zum Mobil-Betriebssystem Android OS ab. Drei neue Handys hatte Sony im Gepäck für Barcelona. Sie alle gehören zur Serie „Xperia NXT“ (also „NeXT Generation”), die als gemeinsames optisches Erkennungsmerkmal einen transparenten und von innen beleuchteten Streifen am unteren Ende des Gehäuses besitzt.

Smartphone mit Sony-Stärken
Das Spitzenmodell Xperia S (Abbildung oben rechts) soll im März auf den deutschen Markt kommen. Das Motto lautet hier „HD überall“. Sprich: Selbst die für Eigenaufnahmen und Videochats ausgelegte Frontkamera bietet 720p-Auflösung (1280 x 720 Pixel). Mit derselben Auflösung glänzt auch das 4,3-Zoll (10,9 cm) TFT-Display. Die Hauptkamera nimmt 12,1 Megapixel auf und besitzt einen LED-Blitz. Aus dem Standby-Modus lässt sich das Xperia S binnen einer Sekunde in Foto-Bereitschaft versetzen, um schnelle Schnappschüsse zu ermöglichen. Mit DLNA und HDMI-Ausgang soll obendrein für komfortable Verbindungen zur heimischen Unterhaltungselektronik gesorgt sein. Und als „Playstation certified Phone“ spielt das Xperia S eine große Auswahl an Sony-Spielen ab. Angetrieben wird das Smartphone von einem mit 1,5 Gigahertz getakteten Dual-Core-Prozessor. Zum Marktstart verrichtet noch die Android-Version 2.3 „Gingerbread“ ihren Dienst im Top-Modell, ein Update auf die Version 4.0 „Ice Cream Sandwich“ ist aber für das zweite Quartal 2012 geplant. Unverbindliche Preisempfehlung: 499 Euro ohne Mobilfunk-Vertrag.

Weiße Pixel für ein helleres Display
Das Schwestermodell Xperia P tritt mit weniger Bildschirmdiagonale an (4 Zoll, 10,2 cm), nutzt dafür aber eine neue Displaytechnik namens „White Magic“. Die Idee: Zusätzlich zu Pixeln für Rot, Grün und Blau gibt es auch noch „weiße Pixel“ – was bei einem TFT-Display bedeutet, dass an den so ausgelegten Bildpunkten die Hintergrundbeleuchtung ohne Farbfilterfolien durchgelassen wird. Das sorgt für zusätzliche Helligkeit, Sony gibt bis zu 935 Candela an. Vor allem die Ablesbarkeit in prallem Sonnenlicht soll sich damit verbessern, ohne den Handyakku über Gebühr zu beanspruchen. Dies allerdings um den Preis, dass die Anzeige unter normalen Lichtverhältnissen weniger Kontrast bietet als die klassische Bauart. In den Messehallen von Barcelona sah die Bildwiedergabe aber trotzdem recht knackig aus. Die 8-Megapixel-Kamera verfügt wie beim S-Modell über einen Schnellstartmodus, der Zweikern-Prozessor wird hier mit 1 Gigahertz getaktet. Allzu gemächlich fühlt sich das Handy im Praxistest trotzdem nicht an. Das Gerät soll im Laufe des zweiten Quartals 2012 für 449 Euro erhältlich sein.

Der kleinste Vertreter in Sonys neuer Handy-Riege heißt Xperia U und stellt ein 3,5-Zoll-Display (8,9 cm) zur Schau. Der untere Gehäuseteil lässt sich mit austauschbaren, farbigen Modulen im Aussehen verändern – und der serien-typische transparente Streifen leuchtet in einer zum Displayinhalt passenden Farbe. Auch hier werkelt ein 1-Gigahertz-Dualcore-Prozessor. Das Xperia U soll ab dem zweiten Quartal 2012 in Schwarz (mit Austauschmodul in Pink) oder Weiß (mit Modul in Gelb) für 259 Euro angeboten werden.

DIGITAL-ROOM meint: Auch wenn die neuen Smartphones eher Evolution als Revolution darstellen – Sony ist die Emanzipation aus dem bisherigen Joint-Venture gelungen. Vor allem die neue Displaytechnik „White Magic“ im Xperia P scheint interessant. Ob es gelingt, mit einer stärkeren Vernetzung von Produkten und Diensten im Sony-Universum die Kunden an sich zu binden, müssen die kommenden Monate zeigen. Das Zeug dazu haben die Japaner: Kein anderer Konzern, außer vielleicht Apple, vereint so viel Know-how unter einem Dach. Die Marke steht für Musik (Sony Music) Kinofilme (Sony Pictures), Spiele (Sony Computer Entertainment) und hochwertige Unterhaltungselektronik. Höchste Zeit, dass jemand alle diese Stärken zusammenbringt.

Autor: 
Hannes Rügheimer
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