Bild: Hubert Burda Medien
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Das Nachrichten-Magazin „Focus” gibt es neuerdings auch auf E-Book-Readern von Amazon. Die sogenannte Kindle-Ausgabe ist im Online-Kiosk des großen Internet-Buchhändlers erhältlich. „Die Zeit”, „Welt kompakt”, „Frankfurter Allgemeine”, „Süddeutsche Zeitung” und das „Handelsblatt” können hier schon länger gekauft und heruntergeladen werden. Das Angebot steht damit in Konkurrenz zum App-Store von Apple, der ebenfalls Magazine anbietet, wegen ungünstiger Konditionen bei deutschen Verlegern aber nicht sonderlich beliebt ist. Im dortigen „Zeitungskiosk” für iPhone und iPad herrscht auffällige Leere. Der Apple-Buchshop „iBooks” ist besser bestückt, bietet mit rund 530.000 Titeln aber trotzdem weniger Auswahl als die E-Book-Bibliothek von Amazon. Laut Aussage des Online-Buchhändlers sind darin über 800.000 Bücher abrufbereit.
Und nun scheint auch noch der „Kindle Fire” im Revier des iPad zu wildern. Ersten Verkaufszahlen aus den USA zufolge, sollen bis Jahresende zwischen drei und vier Millionen Exemplare über die Ladentische gehen. Der erste Kindle mit Farbdisplay ist ein preiswertes Android-Tablet (199 US-Dollar), das neben eBooks auch speziell für den Konsum von Musik, Fotos und Videos entwickelt wurde. Vom Betriebssystem merkt der Nutzer wenig bis gar nichts: Amazon hat eine andere Benutzeroberfläche darüber gestülpt und den Android Market durch einen Download-Shop mit eigenen Apps ersetzt. Das Tablet besitzt weder Kamera noch GPS-Modul und hat mit 7 Zoll Bildschirmdiagonale (ca. 18 Zentimeter) ein deutlich kleineres Display als das iPad. Aber es ist perfekt auf den Medien-Einkauf bei Amazon eingerichtet: Musik, Bücher oder Zeitschriften lassen sich per WLAN erwerben und entweder lokal auf dem Gerät speichern oder online auf den Servern der Amazon-Cloud. In den USA bietet Amazon auch Filme und TV-Serien zum Kauf an. Der Cloud-Speicher beugt Speicherknappkeit auf dem mit acht Gigabyte nicht eben üppig bestückten Gerät vor. Allerdings muss der Nutzer dann auch eine WLAN-Verbindung ins Internet besitzten, um seine Medien nutzen zu können.
Ob und wann der Kindle Fire außerhalb Amerikas zu kaufen sein wird, lässt Amazon offen. Viele Dienste, die das Gerät interessant machen, kennen deutsche Kunden hier gar nicht. Etwa die große Online-Videothek mit Spielfilmen und TV-Serien – oder den Cloud-Player für gekaufte und im Internet gespeicherte MP3-Musik aus dem Amazon-Store. In Deutschland kann man bislang nur eigene Musik im Onlinespeicher von Amazon ablegen. Und das Video-on-Demand-Angebot des Amazon-Tochterunternehmens Lovefilm ist zwar auf dem iPad und Android-Geräten verfügbar, bietet dort aber nur recht wenige, nicht gerade topaktuelle Filme zum Abruf (siehe Zusatz-Infos unten). Aktuelle Blockbuster verkauft Amazon und verleiht Lovefilm hierzulande bislang nur auf Disc-Medien.
Ohne einen gut bestückten Onlineshop macht eine Einführung des „Fire” hierzulande aber wenig Sinn. Denn eines zeigt der Verkaufserfolg schon jetzt: Die enge Verzahnung von Hardware und Software schafft den Mehrwert, den viele Kunden wünschen. Wie bei Apple muss niemand lange überlegen, wo er seine Musik, Filme oder Bücher kauft – der Shop ist nur einen Fingertipp entfernt. Amazon subventioniert obendrein den Preis des Kindle Fire. Nach den Recherchen der Technologie-Experten von iSuppli betragen allein die Herstellungskosten des 199 Dollar teuren Kindle Fire über 200 Dollar – Entwicklung, Marketing, Handelsmarge und etwa die Mehrwertsteuer kommen auf diese Kalkulation bei anderen Herstellern dazu. Amazon kalkuliert dagegen mit sprudelnden Gewinnen aus dem Medienverkauf.
DIGITAL-ROOM meint: Wenn die Marktforscher von iSuppli Recht behalten, wird Amazon im vierten Quartal 2011 alle anderen Anbieter von Android-Tablets überflügeln. Die Experten rechnen laut Wall Street Journal mit 3,9 Millionen verkauften Geräten oder 13,8 Prozent Marktanteil weltweit. Darüber rangiert nur noch Apple mit 69,7 Prozent. Der Amazon-Erfolg kostet demnach vor allem Samsung Kunden: Der Marktanteil des Drittplatzierten fällt nach iSuppli-Prognose von von 7,8 auf 4,8 Prozent – was einmal mehr bedeuten würde, dass technische Ausstattung alleine keine Kunden bringt. Das Gesamtpaket muss stimmen. Wenn es den anderen Tablet-Herstellern nicht gelingt, hochwertige Inhalte kinderleicht auf ihre Geräte zu holen, könnten Apple und Amazon den Markt irgendwann unter sich aufteilen – der eine am oberen Ende der Preisskala, der andere darunter.
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