Bild: Toshiba, DR
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Der japanische TV-Hersteller Toshiba war bisher in Sachen Onlinefunktionen in seinen LCD-TVs eher zurückhaltend. Während Panasonic, Samsung, Sony und andere Marken teils schon vor zwei Jahren spezielle TV-Internetportale in ihre Fernseher einbauten, spielten die Toshiba-Modelle der letzten Jahrgänge allenfalls YouTube-Videos oder Mediendateien über das Heimnetzwerk ab.
Ab dem Modelljahr 2011 aber gibt Toshiba in Sachen Onlinefunktionen richtig Gas: Alle LCD-TVs mit LED-Rückbeleuchtung, die ab Ende April neu auf den Markt kommen sollen, bringen laut Toshiba Netzwerkfunktionen mit, und bis auf die LED-Einstiegsklasse gewähren all diese Modelle Zugang zu diversen Internet-Funktionen – hier die wichtigsten im Überblick:
Toshiba Places ist ein neues Online-Portal, das Toshiba auf Notebooks, Internet-fähigen TV-Geräten und künftig auch auf weiteren Gerätetypen anbietet. Es soll mit einer einzigen Benutzer-Registrierung Zugang zu kostenpflichtigen und Gratis-Web-Diensten bieten. Die Angebote sind laut Hersteller nicht nur auf Toshiba-Notebooks, sondern über den Internet-Browser auf jedem Computer erreichbar. Zu den Angeboten zählen zum Start etwa die Onlinevideothek „Acetax”, das Abo-Filmangebot „Viewster” sowie Videoclip-Angebote der Turner Broadcasting Group, von „Cartoon-Network”, „Boomerang” – und natürlich YouTube. Leih- oder Kauffilme werden über den Places-Account gebucht und sollen sich innerhalb der Nutzungszeit auf jedem Gerät mit Places-Zugang anschauen lassen. Das gilt auch für die Musik-Abteilung von Places: Hier hat Toshiba den Musik-Abrufdienst „7digital” integriert und liefert auf TV-Geräten zusätzlich Webradio- und Podcast-Angebote. Gekaufte Musik kann man online anhören oder kopierschutz-frei auf die Computer-Festplatte herunterladen. Daneben lassen sich über Places Fotos und Videos ins Internet übertragen und dort mit Freunden teilen – etwa über den Fotodienst „Flickr” oder den Videoclip-Service „Dailymotion”. Neben Medien soll es künftig für Toshiba-TVs auch spezielle Apps geben – kleine Web-Programme mit Spielen oder praktischen Anwendungen auf dem TV-Gerät. Auch die werden über das Toshiba-Places-Portal gratis oder gegen Gebühr zu haben sein.
HbbTV steht für „Hybrid Broadband Broadcasting TV” – einen neuen Standard, über den TV-Sender und andere Anbieter Internetseiten passend für den TV-Bildschirm anbieten können. Der bekannteste Teil von HbbTV ist die so genannte Red-Button-Funktion: Schickt ein TV-Sender Internet-Inhalte mit dem Programm mit, dann erscheint kurz nach dem Einschalten des Kanals ein roter Knopf unten rechts im Bild. Drückt man die rote Farbtaste der Fernbedienung, blendet sich das Online-Menü über dem laufenden Programm ein. Von hier aus lassen sich Online-Inhalte des Senders aufrufen (siehe HbbTV-Video unten). Auch dieses Angebot integriert Toshiba in seine neuen Internet-TVs, wenn auch nicht vom Start an komplett: Laut Toshiba-Technikexperte Frank Eschholz sollen anfangs keine HbbTV-Seiten privater Fernsehsender wie Pro7 oder Sat1 zu sehen sein. Hintergrund: Diese Sender stellen ihre HbbTV-Inhalte nur auf Geräten zur Verfügung, die sich von den TV-Sendern für deren HbbTV-Angebot zertifizieren lassen. Dazu gehört laut Frank Eschholz auch, dass der der Fernseher die Kopierschutz-Systeme der Privatsender unterstützt – bei Pro7 und Sat1 etwa für die Onlinevideothek Maxdome.
Toshiba Apps Connect soll es möglich machen, die internetfähigen TV-Geräte vom Smartphone oder Tablet-Computer aus über das Heimnetzwerk zu steuern. Dazu gehören auch komplexere Funktionen wie die bequeme Texteingabe beim Surfen im Internet, etwa über einen Tablet-Touchscreen. Den Anfang machen Toshiba-Apps für das iPhone und das iPad von Apple, Versionen für andere Smartphone-Betriebssysteme sollen demnächst folgen.
DLNA-Streaming schließlich beherrschen alle Toshiba-TVs mit LED-Technik und Netzwerkanschluss. Sie rufen Musik, Videos und Fotos von DLNA-fähigen Servergeräten im Netzwerk ab und lassen sich mit der „Wiedergeben auf”-Funktion direkt von einem Computer mit Windows-7-Betriebssystem mit Medieninhalten beschicken. Die Verbindung erfolgt wahlweise per LAN-Netzwerkkabel oder über einen WLAN-USB-Adapter. Der liegt den Edelgeräten bei und ist für günstigere Modelle optional erhältlich.
Toshiba Places und HbbTV sind in die neuen TV-Geräte der Serien SL, UL, VL, WL, YL sowie das Topmodell 55ZL1 integriert. Die LED-Einsteigergeräte der RL-Serie haben dagegen nur DLNA- und Windows-7-Streamingfunktionen. Als erste Neuheit soll das Topmodell 55ZL1 Ende April auf den Markt kommen, die günstigeren Modelle folgen von Mai bis Juli 2011.
DIGITAL-ROOM meint: Um Onlinefunktionen auf dem TV-Gerät kommt heute kein Hersteller mehr herum, und auch auf den HbbTV-Zug springen nach und nach alle Marken auf. Beides ergibt Sinn: HbbTV ermöglicht es TV-Sendern, programmbegleitende Online-Inhalte auf dem TV zu präsentieren. Und Portale wie Toshiba Places geben dem Hersteller andererseits die Möglichkeit, sich mit besonders praktischen Dienste abseits des klassischen Fernsehens einen Namen zu machen. Das tun Panasonic, Philips, Samsung und all die Anderen auch. Noch ist es zu früh, hier einen Favoriten mit den besten Inhalten zu küren, denn einige Dienste wie etwa die Acetrax-Videothek sind ohnehin auf verschiedenen TV-Marken präsent. Hinzu kommen künftig wohl auch immer mehr frei verfügbare HbbTV-Websiten, die man sich nur einmal bookmarken muss. Der TV-Wettbewerb wird sich so immer weiter verschieben – vom Wettlauf um das beste Bild hin zum Kampf um die cleversten Online- und Offline-Anwendungen und deren Bedienung. So wandelt sich der TV zum Smart-TV – so wie das Handy bereits zum Smartphone mutierte.
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