Bild: Toyota
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Es ist mit das Gefährlichste, was einem Autofahrer im Straßenverkehr passieren kann: ein Falschfahrer auf der Autobahn oder der Landstraße. Der japanische Fahrzeughersteller Toyota will deshalb künftige Navigationsgeräte mit einem Warnsystem für Geisterfahrer ausstatten. Dazu sollen Sensoren am Auto die verkehrte Fahrtrichtung erkennen und optisch sowie per Sprachausgabe auf die Gefahrensituation hinweisen. Seit Juni gibt es das System in ersten Fahrzeugmodellen, es wird vorerst aber nur in Japan angeboten.
„Dieser Ansatz ist wirklich interessant, weil hier der Geisterfahrer selbst gewarnt wird“, sagt Klaus Machata vom österreichischen Kuratorium für Verkehrssicherheit gegenüber dem PR-Dienst „Pressetext“. Eine derartige Funktion sei bei Fahrerassistenz-Systemen noch nicht verbreitet. Für den Erfolg werde nach Ansicht des Experten aber entscheidend sein, ob die Positionsbestimmung präzise genug ist.
Entwickelt wurde das Warnsystem von Toyota in Zusammenarbeit mit den Zulieferern Aisin AW und Denso. Es setzt auf eine Kombination aus Sensoren, um die Fahrzeugposition möglichst genau zu bestimmen. Dazu zählen unter anderem Satelliten-Ortung per GPS (Global Positioning System), eine Tempomessung sowie ein Gyroskop, das die Fahrtrichtung ermittelt. Zudem berücksichtigt die Lösung etwaige Aktualisierungen im Kartenmaterial. In der ersten Phase sind alle wichtigen Verkehrsadern erfasst. Kommt das System zum Schluss, dass der Fahrer eine Autobahn oder eine Mautstraße entgegen der Fahrtrichtung befährt, erfolgt die optische und akustische Warnung.
Fahrassistenzsysteme, die dem Fahrer die Arbeit im Cockpit erleichtern sollen, drängen seit einigen Jahren mit Macht auf den Markt. Dazu zählen etwa automatische Abstandshalter, Fernlichtassistenten, die das Auf- und Abblenden in Eigenregie übernehmen, Regensensoren und Müdigkeits-Warner, die dem Fahrer anzeigen, dass er besser eine Pause einlegen sollte. Was bis vor kurzem noch ausschließlich den Modellen der Oberklasse vorbehalten war, kann inzwischen immer öfter auch für Fahrzeuge der Kompaktklasse geordert werden.
Martin G. Puthz, Testredakteur bei der in Hamburg erscheinenden Zeitschrift „Auto Bild“, sieht viele der technischen Innovationen mit Skepsis. „Die gesetzliche Verantwortung bleibt trotzdem beim Fahrer“, erklärt er gegenüber DIGITAL-ROOM. Letztendlich seien zahlreiche Systeme nicht dazu geeignet, den Mann oder die Frau am Steuer wirklich zu entlasten. „Alle Müdigkeitsassistenten etwa leisten nicht das, was sie sollen“, so Puthz. Generell bestehe die Gefahr, dass die Technik eine Sicherheit vorgaukele, die real gar nicht existiere.
So sei bislang nur der Mensch dazu in der Lage, vorausschauend zu fahren. Die Elektronik stoße hier an ihre Grenzen. Hinzu komme, dass bestimmte Systeme noch nicht perfekt seien. Fernlichtassistenten beispielsweise arbeiten mit einer Kamera im Spiegel. Sie muss erst das Blenden eines entgegenkommenden Fahrzeugs registrieren, um das Fernlicht auszuschalten. „Der Fahrer selbst erkennt aber bereits am Horizont die Scheinwerfer eines anderen Autos und reagiert entsprechend früher“, betont der „Auto Bild“-Redakteur. Auch die automatische Verkehrszeichenerkennung, Grundlage für einige stille Helfer, sei noch sehr fehlerhaft.
DIGITAL-ROOM meint: Elektronische Assistenten wie der Falschfahrer-Warner können Unfälle vermeiden – jedoch nur, wenn sie zuverlässig funktionieren. Sonst verursachen sie mehr Stress als dass sie den Fahrer unterstützen. Bis Sicherheitssysteme im Auto so verlässlich reagieren wie ein Regensensor, der automatisch den Scheibenwischer in Betrieb nimmt, ist noch einige Entwicklungsarbeit zu leisten. Bis dahin sollte der Mensch am Steuer entscheiden, in wieweit er der Elektronik vertraut. Im Gegensatz zur Technik verfügt er glücklicherweise über ein gewisses Maß an Intelligenz.
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