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(5) 25.04.2011

Tsunami-Folgen: TV-Bauteile werden knapp

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Zulieferer in Japan versorgen nicht nur die eigenen TV-Industrie, sondern auch ausländische Hersteller. Das könnte nun zum Problem werden.„Hinter der großen Welle bei Kanagawa”, Holzschnitt aus dem 19. Jahrhundert von Katsushika HokusaiBild: Katsushika Hokusai, um 1830

Japan kämpft mit den Folgen der großen Naturkatastrophe am 11. März 2011. Neben den Menschen leidet zunehmend auch die Wirtschaft der viertgrößten Exportnation. Fahrzeughersteller wie Toyota oder Nissan haben ihre Liefermengen halbiert. Beim weltgrößten Autoproduzenten Toyota ist die Produktionsrate die niedrigste seit das Unternehmen 1976 mit der Aufzeichnung begann.

Doch nun rückt die Elektronik-Industrie in den Fokus der Weltwirtschaft. Experten rechnen mit Lieferengpässen, die vor allem die Herstellung von Flachbildschirmen betreffen. Aus Japan stammen eine Reihe von Zulieferprodukten, die nicht ohne weiteres in anderen Ländern wie Südkorea oder China besorgt werden können. So erwartet das Marktforschungsunternehmen DisplaySearch eine Verknappung von Indiumzinnoxid (eng. Indium Tin Oxide, ITO). Der halbleitende transparente Stoff wird für lichtdurchlässige Elektroden in Flüssigkristall-Bildschirmen (LCD), OLED-Displays und Touchscreens benötigt. Die beiden größten Hersteller dafür sitzen in Japan und haben einen Marktanteil von etwa 70 Prozent. Während das Unternehmen Mitsui Mining & Smelting vom Erdbeben nicht betroffen war, musste der größere Konkurrent JX Nippon Mining & Metals die Produktion offenbar herunterfahren. Laut DisplaySearch sind davon vor allem Panel-Hersteller in Taiwan betroffen, die ITO von diesem Zulieferer bezogen haben.

Der zweite wichtige Stoff stammt in besonderem Maße von Hitachi und Sony. Die Chemiewerke beider Konzerne liefern leitfähigen Klebstoff, sogenannten Anisotropic Conductive Film (ACF), der benutzt wird, um die Steuerelektronik von Flachbildschirmen direkt von hinten auf das Displayglas zu kleben. Beide Fabriken wurden beschädigt, konnten die Arbeit mittlerweile aber wieder aufnehmen. Allerdings hat einer der wichtigsten Zulieferer von ACF-Rohmaterialien, Nippon Chemical, seine Produktion ebenfalls in er betroffenen Region – nur etwa 50 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk in Fukushima entfernt. Hinzu komme, so Paul Gray von DisplaySearch, dass die schon vor der Katastrophe angespannte Liefersituation für Nitrogen Trifluorid (NF3) sich weiter verschlimmert habe. Die Stickstoff-Fluor-Verbindung wird zur Reinigung im Herstellungsprozess von Halbleitern, Flachbildschirmen und Dünnschicht-Solarzellen eingesetzt.

Doch nicht nur die Zulieferindustrie ist betroffen, auch die japanischen TV-Hersteller selbst bekommen Auswirkungen wie den akuten Strommangel zu spüren. Im östlichen Teil des Landes, in dem auch die Hauptstadt Tokio liegt, ist die Energieversorgung nach wie vor eingeschränkt. Unterschiedlich ausgelegte Energienetze mit einer Wechselstromfrequenz von 60 Hertz im Westen und 50 Hertz im Osten machen es laut DisplaySearch schwer, die Ausfälle zu kompensieren. Der Staat appelliert an Bürger und Unternehmen, nicht mehr Energie zu verbrauchen als nötig. Und große Einzelhändler auf Tokios Elektronik-Meile Akihabara verzichten darauf, ihre Fernseher den ganzen Tag im Demobetrieb laufen zu lassen. Sie schalten die Geräte nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch hin ein.

Inzwischen haben einige der zunächst geschlossenen Fabriken wieder mit der Produktion begonnen. Die meisten Werke für Flachbildschirme befinden sich südlich, außerhalb der betroffenen Region. Das Panasonic-Werk in Mobara, wo das Unternehmen IPS-Alpha-Displays mit 26 und 37 Zoll Diagonale für seine LCD-Fernseher fertigt, steht allerdings nach wie vor still. Der Elektronik-Konzern Toshiba hat laut Handelsblatt seine Gewinn-Prognose für das abgelaufene Geschäftsjahr bereits gesenkt. Wie stark koreanische und chinesische Unternehmen von der japanischen Notlage profitieren, werden die kommenden Monate zeigen.

DIGTAL-ROOM meint: Jahrelang kannte die Preisentwicklung flacher TV-Geräte nur eine Richtung: nach unten. Steigende Produktionskapazitäten und harter Wettbewerb machten LCD- und Plasma-Geräte kontinuierlich billiger. Loewe geriet dadurch in die Verlustzone, Philips hat gerade bekannt gegeben, seine TV-Sparte Ende des Jahres zu 70 Prozent an den chinesischen OEM-Hersteller TPV abzutreten. Und selbst Marktführer Samsung, munkelt man, ist mit der Erlössituation seiner TV-Sparte nicht zufrieden. Gut möglich also, dass die Lieferengpässe in Japan die Talfahrt vorerst stoppen – weil einige Hersteller nicht liefern können, und andere die Verknappung nutzen, um ein wenig an der Preisschraube zu drehen.

Autor: 
Frank-Oliver Grün
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