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(3) 19.01.2012

TV-Trends 2012: Vom Smart Hub in die Cloud

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Apps am Fernseher sind ein alter Hut, zumindest in den Hersteller-Katalogen. Die neue Gerätegeneration vernetzet den Smart-TV mit Cloud-Diensten.Smart-TVs des Jahrgangs 2012 sollen eigene Fotos oder Videos des Besitzers direkt von Cloud-Diensten auf den Bildschirm holenBild: Sony, DR

Fernseher mit Internet-Anschluss haben in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Erst 2009 kamen die ersten TV-Geräte mit Online-Diensten heraus. Panasonic wagte sich vor drei Jahren mit Viera Cast als erster Hersteller auf den Markt. Anfangs eher belächelt, zogen die Konkurrenten schnell nach und präsentierten nach und nach immer neue Online-Funktionen für den TV-Schirm. 2011 war das Jahr der Apps. Erstmals konnten Benutzer einiger Smart-TVs ihre Geräte mit zusätzlichen Progrämmchen aus dem Internet aufrüsten – Samsung, Panasonic, LG und andere Hersteller bauten so genanne App-Stores in ihre Online-TV-Oberflächen ein. Anders als im Angebot für iPad, iPhone oder Android-Smartphones gab es in den Sammlungen am Fernseher aber bislang keine zahlungspflichtigen Apps.

2012 könnte das Jahr der TV-Cloud werden. Die Branche setzt neuerdings auf Dienste, mit denen man seine eigenen Inhalte – also Fotos, Videos oder Musik – nicht mehr auf einem lokalen Speicher ablegt, um sie am PC oder auf dem TV-Schirm anzuschauen. Man parkt sie stattdessen auf einem Internet-Benutzerkonto mit Speicherplatz. Neudeutsch: in der Cloud. Es gibt für dieses System bereits Vorbilder.

Eines davon, wie auch sonst, ist Apple. Mit iCloud hat der iPad- und AppleTV-Erfinder schon letzten Herbst einen Cloud-Dienst für Privatanwender geschaffen, der vor allem auf Medieninhalte optimiert ist. Über die iCloud hat man alle Fotos und Videos, einmal hochgeladen, auf allen iCloud-fähigen Geräten jederzeit parat. Und mit dem iCloud-Musikdienst iTunes Match lässt sic hdie gesamte eigene CD-Sammung, einmal am Computer eingespielt, ebenfalls im Apple-Cloudspeicher verwalten und von allen iDevices aus abrufen. Einzige Voraussetzung: der Internetanschluss. Die Anbindung der Medienbibliothek an den Flat-TV klappt bislang allerdings nur über die Streamingbox Apple TV.

PlayMemories von Sony
Als wollten sie dem Smartphone- und Tablet-Vorreiter einmal eine Nasenlänge voraus sein, haben jetzt mehrere Hersteller solche Cloud-Dienste mit TV-Anbindung angekündigt. Sony nennt seine Cloud-Version „PlayMemories” und integriert sie in das Sony Entertainment Network, zu dem auch der Musikdienst „Music Unlimited” und die Sony Online-Videothek zählen. Wer dafür einen Benutzerzugang besitzt, der kann sich kostenlos bei PlayMemories anmelden. Zu dem Cloud-Dienst gehören Apps für Android-Geräte, iPad und iPhone sowie Online-Anwendungen auf Sony Smart-TVs und Blu-ray-Playern. Ein Programm zur Bearbeitung und Verwaltung von Medieninhalten am Computer soll in Kürze verfügbar sein. Außerdem will Sony ab Frühjahr 2012 eine spezielle Anwendung für die Playstation 3 anbieten, um auch von der Spielkonsole aus Medieninhalte bearbeiten und auf den Onlinespeicher von PlayMemories hochladen zu können.

Zweck der Übung: Fotos, Videos und Musik lassen sich künftig an allen Geräten bearbeiten und auf einfache Weise in die Sony-Cloud kopieren. Umgekehrt sind Inhalte, die auf dem PlayMemories-Account lagern, über jedes angeschlossene Gerät abrufbar. Lädt man also ein Foto vom Smartphone auf PlayMemories, dann kann man es sofort auch auf dem Smart-TV anschauen.

Allshare Play von Samsung
Im Smart Hub von Samsung wurde der Austausch von Medien zwischen Smartphones, dem Computer, Netzwerkspeichern und dem TV bereits im letzten Jahr groß geschrieben. Allshare nennt Samsung seine aufgehübschte Version des DLNA-Medienstreamings via Heimnetzwerk. „Allshare Play” heißt folglich die neue 2012er-Variante, mit der ein Austausch von Medieninhalten zwischen den verschiedenen Gerätetypen noch weiter vereinfacht werden soll. Das Angebot setzt auf eine Mischung von DLNA-Streaming und Cloud-Dienst. Laut Samsung soll es künftig möglich sein, Inhalte etwa vom Smartphone zum Allshare-Cloud-Dienst hochzuladen, um sie zu Hause über den Smart-TV anschauen zu können. Ein kostenloser Online-Speicher soll Teil des Angebotes sein, so die Samsung-Ankündigung.

Google hat schon vorgelegt
Bei all den neuen Ankündigungen sollte man aber nicht vergessen, dass einige Clouddienste bereits weit verbreitet sind. Für Fotos etwa haben sich Google Picasa und Flickr in den letzten Jahren bereits als Online-Speicher etabliert. Beide sind von vielen TV-Geräten aus erreichbar, Picasa etwa war praktisch vom Start weg auf VieraCast-TVs von Panasonic vertreten. Am Computer ist das Handling von Picasa ebenfalls einfach und vom Smartphone aus lassen sich frisch geknipste Fotos im Handumdrehen per App hochladen – auf vielen Android-Geräten natürlich mit den Bordmitteln des Google-Betriebssystems.

Logisch, dass die Cloud-Angebote von Google auch und vor allem in den geplanten Google-TVs eine wichtige Rolle spielen. LG hat sich auf der diesjährigen CES zum Google-TV-System bekannt, das vorerst wohl eher in Richtung Android-Apps und Cloud-Anwendungen entwickelt wird. Im ersten Anlauf vor einem guten Jahr hatte sich Google mit seinem TV-Projekt in den USA eine blutige Nase geholt, als man im großen Stil TV-Inhalte der großen Fernsehsender streamen wollte. Da sperrten sich die Sender, bei den neuen Google-TV-Ankündigungen stehen daher weniger TV-Inhalte als das einfache User Interface, das Android-Betriebssystem und die daraus folgenden Möglichkeiten im Fokus. Also auch die Vernetzung mit Google-Diensten wie eben Picasa. Neben LG will auch Sony an der Weiterentwicklung von Google-TV mitarbeiten.

DIGITAL-ROOM meint: Ganz neu ist die Cloud-Vernetzung auch auf Smart-TVs nicht. Doch die Systeme scheinen immer weiter auszureifen, das Zusammenspiel zwischen verschiedenen vernetzten Geräten über die Cloud wird selbstverständlicher. Dabei sind solche Komfort-Features natürlich auch mächtige Kundenbindungsprogramme: Optimal spielen Smart-TVs, Handys und andere Geräte nur zusammen, wenn sie mit demselben System vom selben Hersteller arbeiten. Sind die Cloudangebote der etablierten Hersteller ausgereift und wirklich intuitiv nutzbar, dann könnten sie den TV-Marken tatsächlich einen kleinen Vorsprung vor Apple als potentiellem Newcomer im TV-Markt bescheren. Andererseits ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich unabhängige Cloud-Anbieter wie Dropbox oder Pogoplug ihren Zugang zum TV-Bildschirm sichern – als Apps auf den verschiedenen Smart-TV-Plattformen. Diese Flexibilität ist in jedem Fall ein Vorteil des letzjährigen Smart-TV-Trends.

Autor: 
Reinhard Otter
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