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(2) 05.12.2010

Video-Streaming wird zur Killer-Applikation

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Der Erfolg von Online-Videotheken belastet das Internet mit immensen Datenmengen. Es stellt sich die Frage, wer den ganzen Traffic bezahlen soll.Netflix produziert in Spitzenzeiten rund 20 Prozent des nordamerikanischen Internet-TrafficsBild: Netflix

Video-Streaming – aus dem Internet direkt auf den Fernseher – wird zusehends beliebter. In Nordamerika noch schneller als bei uns. Nach Informationen des kanadischen Netzwerk-Ausrüsters Sandvine ist „Real Time Entertainment” dort bereits für einen großen Teil des Datenverkehrs verantwortlich. Als Haupt-Verursacher hat Sandvine die Online-Videothek Netflix ausgemacht, die in Spitzenzeiten rund 20 Prozent des Traffics produziert. Die Netflix-Videos sind über diverse Endgeräte abrufbar, am Computer genauso wie auf Fernsehern mit Internet-Anschluss, Spielkonsolen (Wii, Playstation, Xbox), iPhone oder iPad.

Amerikanische Netflix-Kunden bezahlen einen gewissen Betrag an den Streaming-Dienst, derzeit 7,99 US-Dollar pro Monat, und können dafür unbegrenzt Spielfilme oder TV-Serien abrufen. Paradiesische Zustände für die Abonnenten, nicht jedoch für die Netzbetreiber. Hinter den Kulissen ist ein Streit zwischen Internet-Service-Providern, und den Firmen entbrannt, die mit so genannten Backbones das technische Rückgrat des Internet zur Verfügung stellen. Es geht darum, wer für die Übertragungskosten aufkommen soll, wenn die Datenmengen weiterhin so schnell wachsen wie bisher.

Die Netzbetreiber stört, dass Anbieter mit Diensten wie Online-Videotheken Kasse machen, sie aber die Zeche dafür bezahlen. Das Datenvolumen explodiert – Telekom-Chef René Obermann sprach im Interview mit der „Zeit” von einem „Faktor 30 bis 40 in den kommenden Jahren” –, weshalb die Netze ständig weiter ausgebaut werden müssen. Wenn es nach Firmen wie der Deutschen Telekom oder Verizon in den USA geht, soll der Datenverkehr deshalb in Zukunft eine Art Vorfahrtsregelung bekommen: Wer für hohe Übertragungsgeschwindigkeit oder große Datenmengen extra bezahlt, der wird auch bevorzugt behandelt.

Damit steht ein Grundpfeiler des weltweiten Datennetzes zur Debatte, die so genannte Netzneutralität. Bislang werden alle Daten im Internet gleich behandelt, egal wohin sie gehen und woher sie kommen. Zwar gibt es in den Haushalten unterschiedlich schnelle Internet-Zugänge, aber in der Leitung selbst wird nicht unterschieden zwischen schnelleren oder langsameren Diensten.

Kippt die Netzneutralität, könnten zahlungskräftige Anbieter ihre Dienste bevorzugt zum Kunden bringen, während kleinere Konkurrenten sich in den Datenstau einreihen müssten. Google etwa wäre in der Lage, sich YouTube-Videos in HDTV-Qualität zu erkaufen, während andere Streams nur Ruckelbildchen zeigen würden. Schlimmstenfalls könnten Konzerne, die über eigene Netze verfügen, Angebote der Konkurrenz künstlich verlangsamen, um diese unattraktiver für die Kunden zu machen. Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC (Federal Communications Commission) befürwortet eine Priorisierung bestimmter Daten im Internet. Ihr Vorsitzender Julius Genachowski hat am 1. Dezember 2010 entsprechende Maßnahmen in Aussicht gestellt. Die Netzbetreiber sollen künftig in der Lage sein, den Datenverkehr auf ihren Leitungen kostenpflichtig zu steuern, nicht jedoch bestimmte Services auszusperren oder zu behindern. Auch die Bundesregierung beschäftig sich mit dem Thema: Am 4. Oktober fand eine öffentliche Anhörung der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft statt. Konkrete Konzepte, wie das Problem zu lösen sei, gibt es bislang keine.

DIGITAL-ROOM meint: Video-Streaming könnte zur Killer-Applikationen für das Internet werden, und zwar im doppelten Wortsinn: Weil viele die bewegten Bilder sehen wollen, behindern sie sich gegenseitig auf der Datenautobahn. Allerdings kann derzeit niemand überprüfen, ob die beschworenen Engpässe wirklich ein Problem sind – oder ob sie von den Netzbetreibern vor allem ins Feld geführt werden, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen.

Autor: 
Frank-Oliver Grün
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