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(5) 09.06.2011

Wii U: Schwaches Tablet oder geniale Konsole?

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Meckern über das dicke Tablet oder Lob für einfache Bedienung: Die neue Nintendo-Konsole provoziert geteilte Reaktionen – eine Bestandsaufnahme.Der neue Touch-Screen-Controller der Wii U.Bild: Nintendo, Toshiba, DR

Gerade erst hat der Nintendo auf der Spielemesse „E3“ in Los Angeles die Nachfolgerin seiner Erfolgs-Spielkonsole Wii vorgestellt, schon tobt im Internet ein Streit darüber, was von der neuen Konsole zu halten ist. Und das, obwohl sie erst 2012 auf den Markt kommen soll.

Einer der Streitpunkte: Der neue Haupt-Controller der Wii U. Er hat Knöpfe für beide Hände wie ein herkömmlicher Controller von Playstation 3 oder XBox und ist für die Zweihand-Steuerung ausgelegt – im Gegensatz zu den bisherigen Standardcontrollern der Wii, die Menüs und Spiele mit einer Hand und überwiegend per Zeigerbewegung steuern. Und er hat einen 6,2-Zoll-Touchscreen mit knapp 16 Zentimetern Bilddiagonale und Stiftbedienung. Über den rümpft mancher Twitterer die Nase: „Ein iPad mit Knöpfen" ist noch einer der netteren Kommentare. Andere Kommentatoren vermuten wegen der ansonsten überholten Stift-Steuerung veraltete Touchscreen-Technik im Wii-U-Controller. Und immer wieder wird die Form des Bildschirm-Daddlers moniert: Die trägt deutlich dicker auf als aktuelle Tablet-Computer.

Andererseits loben Tester, die das neue System schon vor Ort ausprobieren konnten, die intuitive Bedienung des Steuergeräts. „Hat man den Controller erstmal in der Hand, fühlt sich die Gestaltung perfekt an – perfekt zum Spielen“, meint etwa Konrad Lischka von „Spiegel Online“. Engadget lobt indes die Größe des Nintendo-Tablets: „Weil das Ding für einen Controller recht groß geraten ist, konnten die klassischen Steuerelemente schön übersichtlich und gut erreichbar platziert werden“ zitiert die deutsche Ausgabe des Technik-Blogs ihre US-Kollegen. Der Bildschirm in der Hand des Gamers regt aber auch zu Visionen an: „Es ist ein Gerät, das erneut die Vorstellung von dem verändern kann, was Spiele sein können, und sie tatsächlich über den eigentlichen Bildschirm hinaus erweitert“ schwärmt Carsten Görig von „Stern Online“.

Immerhin soll der Touch-Screen-Controller je nach Spiel und Betriebsart völlig unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Man soll ihn samt laufendem Spiel mit ins Nebenzimmer nehmen können – etwa wenn der Gamer vom TV-Gerät vertrieben wird. Allerdings soll das nur funktionieren, solange eine Funknetz-Verbindung zwischen Konsole und Controller besteht. Unabhängig vom Hauptgerät funktioniert der Steuer-Screen offenbar nicht. Der Minischirm kann eine andere Perspektive des aktuellen Spieles zeigen, wenn etwa mehrere Personen gegeneinander antreten. Er lässt sich aber auch als eine Art erweitertes Spielfeld einsetzen – ganz so, wie es der jeweilige Spiele-Entwickler vorsieht. Und der Touch-Controller wird zum Kommunikations-Terminal: Kamera und Mikrofon sind eingebaut, er soll sogar Webseiten anzeigen können. Ein solcher Controller wird fester Bestandteil jedes Wii-U-Systems sein.

Doch die neue Wii U besteht aus viel mehr als nur einem Touch-Screen. Man kann nämlich auf der neue Konsole auch mit den bisherigen Wii-Controllern spielen – und zwar mit bis zu vier davon. Spiele können so für bis zu fünf Mitspieler ausgelegt werden: einer am Touch-Controller und vier mit herkömmlichen Steuerstäben. Die Wii U soll passend für komplexe Multiplayer-Darstellungen HD-Bilder mit bis zu 1920x1080 Pixeln darstellen – die aktuelle Wii liefert nur maximal 480 Zeilen. Die neue Konsole passt sich so den technischen Möglichkeiten ihrer Konkurrenten an und soll gleichzeitig neue Gaming-Konzepte ermöglichen. Die sind allerdings nicht alle ganz taufrisch: Die Idee des verteilten Bildschirmes mit TV und Mobilgerät hatte etwa auch schon Sony mit der per WLAN verbundenen Kombination aus Playstation 3 und PSP. Diese Möglichkeit wird aber nur sehr sporadisch eingesetzt. Möglicher Grund: Man muss die beiden Sony-Geräte separat kaufen. Bei Nintendo besteht diese Einschränkung nicht.

Eine ähnlich breite Öffnung in die Multimedia- und Filmwelt, wie sie Sony und Microsoft anstreben, hat Nintendo mit der Wii U offenbar nicht vor. Die Konsole hat zwar ein Laufwerk für optische Discs, wird darin aber keine Blu-ray-Filme abspielen. Auch von Medienstreaming, Diashows übers Netzwerk oder MP3-Musikwiedergabe war bislang nicht die Rede. Es erscheint eher wahrscheinlich, dass auch die Wii U wie ihre Vorgängerin eine reinrassige und damit einfach steuerbare Spielkonsole werden soll.

DIGITAL-ROOM meint: Für die erfolgreiche, weil günstige und kinderleicht steuerbare Nintendo Wii war eine Runderneuerung überfällig. Trotz genialem Konzept war ihre bisherige Low-Fi-Ausstattung in Sachen Bild schon lange ein Anachronismus. Das Konzept der neue Wii U behält, nach den ersten Eindrücken zu urteilen, die Einfachheit der Konsole bei. Sie wird allenfalls durch zusätzliche Spielmöglichkeiten ergänzt – und den Touch Controller. Der ist allerdings die große Unbekannte im Wii U Konzept. Denn um ihn effektvoll zum Leben zu erwecken, sind nicht nur ein paar Gimmicks notwendig, sondern ganz neue Spielideen. Nintendo hat auf der Spielemesse E3 eine Art Versteckspiel für vier gegen einen Spieler gezeigt. Das wirkt nett, aber auch ein bisschen naiv. Für echte Gamer-Innovation sind bessere Ideen gefragt. Die könnten indes auch aus anderen Richtungen kommen: Gut möglich, dass Konkurrenten wie Sony oder gar Apple demnächst ebenfalls Multi-Screen-Gaming anbieten. Zum Beispiel vom iPad via Apple TV oder vom Sony-Tablet mit Android-Betriebssystem über die PS3 – also ebenfalls vom Touch Screen zum Großbild-TV.

Autor: 
Reinhard Otter
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