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Selten hat eine App für das iPad im Vorfeld solch einen Wirbel verursacht wie "The Daily". Seit Dienstag, 2. Februar 2011 ist die erste Tageszeitung ausschließlich für einen Tablet-Computer nach mehrfachen Verzögerungen und vielen Ankündigungen nun endlich da und erscheint nun jeden Tag im US-amerikanischen iTunes-Store. Mit der Einführung hat Apple die Nutzungsbedingungen für seinen Store um Regeln für regelmäßige Abonnements erweitert – The Daily lässt sich so künftig wöchentlich für 99 Cent oder jährlich für 39,99 US-Dollar abonnieren.
Angeblich soll die Entwicklung dieser Digital-Zeitung 30 Millionen US-Dollar gekostet haben. Über 100 Menschen arbeiten an dem mehrmals täglich aktualisierten Medium. Die Produktion soll 500.000 Dollar pro Ausgabe kosten – oder pro Woche, je nachdem welcher Quelle man glauben mag. Auf jeden Fall lässt sich die News Corporation von Rupert Murdoch das mediale Experiment sehr viel kosten.
Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das tägliche iPad-Medium – auch bei uns. In Deutschland gibt es ja bereits sehr interessante iPad-Versionen etablierter Medien wie etwa RP+ von der Rheinischen Post oder die elektronische Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Mit denen und anderen iPad-Medienangeboten verglich DIGITAL-ROOM den Neuling aus Übersee.
Erste Erkenntnis: The Daily wirft nur wenige Fragen auf - mal abgesehen von den sprachlichen Schwierigkeiten, die englischsprachigen Inhalte im Detail zu analysieren. Der Aufbau der App mit ihrer animierten Artikelübersicht, Themen-Ressorts wie "News" oder "Sports" sowie einer Scroll-Leiste mit Seiten-Miniaturen erschloss sich auf Anhieb. Weniger fein war die teils hakelige Navigation zwischen den üppig mit Animationen beladenen Seiten und den teils sehr sensibel reagierenden Übersichten. Auf den Seiten finden sich mal eine animierte Balkengrafik, mal ein 360-Grad-Foto, eine Audio-Nachricht oder ein Video. Oder auch nur grafische Elemente, die nacheinander auf der Seite erscheinen. Auch die teils unterschiedliche Layout- und Inhaltsvarianten im Hoch- und Querformat des iPad erschienen uns nicht ganz logisch. Diese Effekte sind in unserem Test-Video ausführlich zu sehen.
Und drei Dinge waren nervig. Erstens: Bei fast jedem Start von The Daily wird neuer Inhalt geladen. Das vermittelt eine tolle Aktualität. Es kostet aber auch richtig viel Zeit – schneller Nachrichtenkonsum geht anders. Zweitens: Täglich verschwinden die Artikel von gestern wieder. Altpapier gibt es hier ebenso wenig wie ein automatisches Archiv. Wer einen Daily-Artikel für morgen aufheben will, der muss ihn heute manuell in der App markieren – wie der Name schon sagt. Und drittens: Beim Start aufwendigerer Animationen oder Videos stürzte die App im Test mehrfach ab.
Dennoch lohnt sich ein Blick auf The Daily in unserem Video-Test. Und jeder iPad-Besitzer sollte das vermeintlich epochale Werk selbst ausprobieren. Praktischerweise lässt sich die Daily-App kostenlos laden und das Abonnement zwei Wochen gratis testen, wenn man einen Account für den US-iTunes-Store besitzt. Der ist nicht schwer zu bekommen: Melden Sie sich am Computer in iTunes mit einer anderen E-Mail-Adresse als im deutschen Store neu im US-Store an und tragen Sie eine beliebige Postadresse in den USA ein. Folgen Sie ansonsten allen Schritten unseres Videos "iTunes ohne Kreditkarte nutzen" (siehe unten).
DIGITAL-ROOM meint: Was Medienpräsenz, Investitionen und Ambitionen angeht, ist der der Aufschlag von The Daily auf jeden Fall reif fürs Geschichtsbuch. Die App selbst bringt viele innovative Funktionen mit, bleibt aber unserer Meinung nach den großen Wurf schuldig. Sie wirkt an einigen Stellen überladen, die Bedienung mancher Magazin-Apps hierzulande ist logischer, wenngleich nicht ganz so futuristisch. Aber der Anfang ist gemacht, und Optimierungen an "The Daily" lassen sich ja täglich umsetzen.
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